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DWS

Hauptversammlung

Die Klima- und Umweltschutzstandards der DWS sind weiterhin nicht ausreichend, um nach dem Greenwashing-Skandal im letzten Jahr ein glaubwĂŒrdiges Zeichen an AktionĂ€r*innen, Kund*innen und die allgemeine Öffentlichkeit zu senden. Dies werden die Umwelt- und Menschenrechtsorganisationen urgewald, Facing Finance und Greenpeace gemeinsam mit dem Dachverband der Kritischen AktionĂ€rinnen und AktionĂ€re auf der Hauptversammlung des Vermögensverwalters betonen. Sie fordern von der DWS, den von CEO Dr. Stefan Hoops in seiner Hauptversammlungsrede betonten „Schwerpunkt Klimawandel“ endlich ernst zu nehmen und sich nicht mehr verbal hinter Appellen an die „globalen Gemeinschaft“ zu verstecken.

DWS immer noch auf dem fossilen Auge blind

Die DWS ist weiterhin ein bedeutender Investor in fossile Energien, die die Haupttreiber des Klimanotstandes sind. Laut urgewald-Recherchen

hielt die DWS Stand Januar 2023 rund 17,6 Milliarden US-Dollar an Aktien und Anleihen von fossilen Unternehmen. Sie belegte damit international zusammen mit der Mutter Deutsche Bank Rang 38 von mehr als 6.500 untersuchten institutionellen Investoren. Mehrheitlich sind die fossilen Unternehmen, in die die DWS investiert, der Öl- & Gasbranche zuzuordnen (11,6 Milliarden US-Dollar bzw. 66%). Insgesamt 5,4 Milliarden US-Dollar waren zum Recherchezeitpunkt in die vier Ölriesen TotalEnergies, ExxonMobil, Chevron und Shell investiert. Die entsprechenden AktienbestĂ€nde der DWS Investment GmbH in diese vier Unternehmen blieben im Jahr 2022 durchgĂ€ngig stabil bzw. wurden im Fall von Shell sogar erhöht. [1]

Die DWS hatte am 6. April eine lĂ€ngst ĂŒberfĂ€llige Kohlerichtlinie veröffentlicht. Der Vermögensverwalter kĂŒndigte hierin einen Kohleausstieg bis 2030 in EU- und OECD-LĂ€ndern sowie bis 2040 weltweit an und fĂŒhrte sofortige InvestitionsbeschrĂ€nkungen fĂŒr den Kohlesektor ein. urgewald begrĂŒĂŸte die neue DWS-Richtlinie, insbesondere weil sie Investitionen in expandierende Kohleunternehmen entlang der Kohlewertschöpfungskette ein sofortiges Ende setzt.

Julia Dubslaff, Finanz-Campaignerin bei urgewald: „Unsere Recherchen zeigen allerdings, dass der Elefant im Raum bei der DWS die Öl- und Gasindustrie ist. Dies ist durchaus symptomatisch fĂŒr die gesamte Vermögensverwalterbranche. Allerdings hat die DWS wegen des Greenwashing-Skandals und als MarktfĂŒhrer in Deutschland eine erhöhte Verantwortung, klare Zeichen zu setzen und wirklich im Einklang mit der Klimawissenschaft zu sein. Sie muss schnellstmöglich eine neue Richtlinie fĂŒr Öl & Gas vorlegen und auch hier bei Expansion eine rote Linie ziehen. Denn ‚Engagement‘ und ‚Transformationsbegleitung‘ sind offensichtlich bei der Branche vergebene LiebesmĂŒh. Sie zeigt absolut kein Verantwortungsbewusstsein fĂŒr den globalen Klimaschutz.“

Allein die vier Ölriesen TotalEnergies, ExxonMobil, Chevron und Shell haben mit insgesamt rund 70 GtCO2e (1988-2022) zusammen 6,36% der weltweiten Treibhausgasemissionen zu verantworten. [2] 2021 produzierten sie nach urgewald-Recherchen

insgesamt 5.288 Millionen Barrel ÖlĂ€quivalente (mmboe). Entgegen der Forderungen der Klimawissenschaft soll ein Vielfaches dessen, nĂ€mlich 23.852 mmboe, kurzfristig im Rahmen von Expansion noch dazukommen. Rund 6 Milliarden US-Dollar gaben diese vier Unternehmen zwischen 2020 und 2022 jĂ€hrlich aus, um weiter Öl- und Gasfelder zu erschließen. Die geplanten Ausgaben fĂŒr erneuerbare Energien laut den TransformationsplĂ€nen von Shell und TotalEnergies liegen dagegen deutlich niedriger. Die TransformationsplĂ€ne von ExxonMobil und Chevron enthalten keine Angaben zu Investitionen in Erneuerbare Energien. [3] Zudem belegen Projekte wie die East African Crude Oil Pipeline in Uganda und Tansania oder Gasexpansion in der Verde Island Passage

auf den Philippinen, dass TotalEnergies, Shell & Co. lokale UmweltschĂ€den, selbst in besonders schĂŒtzenswerten Gebieten, sowie Menschenrechtsverletzungen sehenden Auges in Kauf nehmen. 

Plastik im Portfolio

AuffĂ€llig sind zudem die umfassenden Investments der DWS in Unternehmen, die fĂŒr die globale Kunststoffverschmutzung verantwortlich gemacht werden. [4] Nach Auswertungen von Faire-Fonds.info

war TotalEnergies das Unternehmen im „Plastic Waste Makers Index“, welches Stand MĂ€rz 2023 am hĂ€ufigsten in den Portfolios der DWS-Fonds zu finden war (rund 10% der untersuchten DWS-Fonds). Auch rund ein Drittel der als nachhaltig klassifizierten DWS-Fonds hielten zum Untersuchungszeitpunkt Anteile an TotalEnergies (43 von 121 untersuchten ESG-Fonds). Danach folgten Eni SpA und OMV AG. [5] 

Zudem gilt The Coca-Cola Company als das KonsumgĂŒterunternehmen, welches weltweit die mit Abstand höchste Plastikverschmutzung erzeugt. Laut einer Studie von „Break Free From Plastic“ hinterließen die Produkte von Coca-Cola im Jahr 2020 mehr MĂŒll als die von den im Ranking Zweit- und Drittplatzierten, PepsiCo und NestlĂ©, zusammen. [6] Coca-Cola sieht sich darĂŒber hinaus seit LĂ€ngerem mit Greenwashing-Kritik durch NGOs konfrontiert. [7] Stand MĂ€rz 2023 hielten laut Faire-Fonds.info 20% der als nachhaltig klassifizierten DWS-Fonds Anteile an Coca-Cola (25 von 121 untersuchten ESG-Fonds).

Frederike Potts, Projektkoordinatorin bei Facing Finance: „Indem die DWS in Rohstoffunternehmen wie TotalEnergies oder KonsumgĂŒterkonzerne wie Coca-Cola investiert, verschĂ€rft sie die Plastikkrise und profitiert davon, ohne ökologische Mindeststandards einzufordern. Eine Richtline zum Thema Kunststoffe,  vorrangig in Bezug auf Einwegplastik, die den gesamten Plastik-Lebenszyklus, sprich Rohstoffgewinnung, -verarbeitung, -herstellung und -verteilung, einschließt, ist aus GrĂŒnden der Umweltverschmutzung, des Gesundheitsschutzes oder der durch die Plastikproduktion mitverursachten Erderhitzung ĂŒberfĂ€llig.“

Prinzipien nachhaltiger VergĂŒtungssysteme nicht beachtet

Der Vorstand der DWS hat den AktionĂ€r*innen sowie der Öffentlichkeit wiederholt weitreichende Versprechungen zum Klimaschutz und zum nachhaltigen Umbau der DWS gegeben. Statt diese Zusagen und Verpflichtungen einzuhalten und die Finanzströme der DWS auf die 1,5-Grad-Begrenzung auszurichten, steuert die Fondsgesellschaft mit ihrer aktuellen Ausrichtung auf eine Erderhitzung von 2,6 Grad zu. Gleichzeitig gewĂ€hrt sie ihren CEOs Rekordboni fĂŒr Greenwashing, wie Greenpeace nachweisen

konnte. 

„Es ist offensichtlich, dass das Management der DWS seinen Verpflichtungen gegenĂŒber den AktionĂ€r*innen und der Öffentlichkeit bisher nicht nachgekommen ist", sagt Greenpeace Finanzexperte Dr. Mauricio Vargas. „Angesichts dieser VersĂ€umnisse verwundert die exzessive VergĂŒtung des Top-Managements, die allen Prinzipien nachhaltiger VergĂŒtungssysteme widerspricht. Besonders erschreckend erscheint der millionenschwere goldene Handschlag fĂŒr den Greenwashing-BetrĂŒger Asoka Wöhrmann. Vom Anspruch der DWS, in Sachen Nachhaltigkeit fĂŒhrend zu sein, ist nichts ĂŒbriggeblieben.”

Engagement und Hauptversammlung: DWS macht sich unglaubwĂŒrdig

Die DWS und auch Dr. Stefan Hoops in seiner vorab veröffentlichten Hauptversammlungsrede betonen gerne, wie wichtig Engagement - also der Dialog mit den Unternehmen, in welche die DWS investiert - fĂŒr das Erreichen von Nachhaltigkeitszielen ist. Dies könne auch effektiver als Divestment sein. So berichtet die DWS fĂŒr 2022 von 532 Engagements bei 448 Unternehmen. [8] Doch konkrete Aussagen zu Fortschritten und Konsequenzen bleibt die DWS in den meisten FĂ€llen schuldig, kontaktierte Unternehmen werden nicht genannt. So entsteht der Eindruck, dass Engagement nur als Vorwand fĂŒr weitere Investments in fossile bzw. umstrittene Konzerne genutzt wird. Im Rahmen ihres Engagements tritt die DWS dann auch auf anderen Hauptversammlungen auf, um mehr Anstrengungen beim Klimaschutz oder das Einhalten von Standards guter UnternehmensfĂŒhrung zu fordern.

Tilman Massa, Co-GeschĂ€ftsfĂŒhrer des Dachverbands der Kritischen AktionĂ€rinnen und AktionĂ€re: „Die DWS muss vor der eigenen TĂŒr kehren: Solange die eigenen Skandale um Greenwashing und völlig ĂŒberhöhte Bonus- und Abfindungszahlungen nicht ĂŒberwunden werden, ist die DWS in ihren Dialogprozessen und Forderungen gegenĂŒber anderen Unternehmen unglaubwĂŒrdig. Ähnliches gilt fĂŒr das Eintreten fĂŒr AktionĂ€rsrechte: WĂ€hrend die DWS bei anderen Konzernen die Wahl des virtuellen Formats kritisiert, traut sich die DWS-FĂŒhrungsriege selbst nicht, ihren AktionĂ€r*innen auf einer PrĂ€senz-Hauptversammlung Rede und Antwort zu stehen oder Wortmeldungen auf Englisch zu erlauben.“

 

Fußnoten:  

[1] Anteil der DWS Investment GmbH der Outstanding Shares der Unternehmen zum 31.3.2022 und 31.12.2022 laut Refinitiv (Abrufdatum: 16.05.2023): TotalEnergies: 0,69% - 0,64% Chevron: 0,13% - 0,13%; ExxonMobil: 0,06% - 0,06%; Shell: 0,07% - 0,21%
[2] GtCO2e = Giga tons of carbon dioxide equivalent; https://www.cell.com/one-earth/fulltext/S2590-3322(23)00198-7


[3] https://reclaimfinance.org/site/en/assessment-of-oil-and-gas-companies-climate-strategy/
[4] Facing Finance (2020): Einweg ohne Ausweg und Who finances the plastic flood? (fairfin.be)
[5] Von 353 untersuchten DWS-Fonds hielten 73 Anteile an TotalEnergies. Auf Platz 2 mit 53 von 353 Fonds kam Eni SpA. Platz 3 belegte das Unternehmen OMV AG, mit 34 von 353 Fonds. Mit Blick rein auf ESG-Fonds ergibt sich folgendes Bild: Eni SpA war in 28 der 121 untersuchten ESG-Fonds der DWS zu finden, OMV AG in 19.
[6] Break Free From Plastic (2020): „Branded Vol. III: Demanding Corporate Accountability for Plastic Pollution.” S. 30.
[7] Planet Tracker (2023): Greenwashing Hydra

Changing Markets Foundation (2020): Talking Trash
Facing Finance (2020): Einweg ohne Ausweg
[8] DWS Active Ownership: Engagement & Proxy Voting Report 2022: https://www.dws.com/AssetDownload/Index?assetGuid=85963db4-1682-4369-8172-78b917aa0ece&consumer=E-Library

15.06.2023

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    Bild Anprechpartner   Julia Dubslaff

    Julia Dubslaff
    Deutsche Finanzinstitutionen & Transformationskampagne
    julia.dubslaff [at] urgewald.org

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