Uniper

Hauptversammlung

Fossile Geschäfte mit Kriegstreibern statt Aufbruch in erneuerbare Zeiten

urgewald kritisiert das skrupellose Festhalten des Energieunternehmens an russischen Gasimporten und an einem weiterhin viel zu stark auf fossile Energien ausgerichteten Geschäftsmodell.

Uniper hat Langfristverträge über 200 TWh russisches Erdgas. Dies entspricht etwa einem Fünftel des durchschnittlichen deutschen Gasverbrauchs. [1] Trotz des russischen Angriffs auf die Ukraine plant der Konzern weiterhin, dieses Gas auch zu importieren. Uniper spricht sich gegen ein Gasembargo aus, bleibt aber konkrete Zahlen schuldig, welche Auswirkungen ein sofortiger Importstopp hätte. Zudem sind keinerlei strategische Ansätze des Unternehmens erkennbar, möglichst schnell aus fossilem Gas auszusteigen.

Kostiantyn Krynytskyi von der ukrainischen NGO Ecoaction kommentiert: “Unipers Verurteilung des Krieges in der Ukraine ist nur leeres Geschwätz, wenn das Unternehmen gleichzeitig Gazprom für Erdgasimporte bezahlt und damit Putins Staatskasse füllt. Täglich werden in der Ukraine Städte bombardiert und es sterben Frauen, Männer und Kinder. Uniper muss sich der Tatsache stellen: Das Unternehmen hat durch fossile Importe und die Finanzierung von Nord Stream 2 dazu beigetragen, dass Russland in der Lage ist, solche Kriege zu führen. Wir sehen aber noch nicht einmal, dass Uniper öffentlich für eine Reduzierung des Gasverbrauchs in Deutschland eintritt. Während russisches Erdgas in den letzten Monaten nach Deutschland floss, sind Tausende von Ukrainer*innen getötet worden. Wie kann Uniper damit einverstanden sein?”

Konflikt-Rohstoff Erdgas

Unipers Antwort auf den Krieg ist der Bau von LNG-Terminals und die Ausweitung von Gasimporten, statt eines radikalen Kurswechsels auf erneuerbare Energie. Flüssiggas (LNG) ist aufgrund seiner energieintensiven Herstellung, der langen Transportwege und den damit verbundenen höheren Methanemissionen besonders klimaschädlich. [2] Mit Katar als Lieferanten von LNG und dem diktatorisch regierten Aserbaidschan für Pipelinegas beweist das Düsseldorfer Unternehmen, dass es seiner menschenrechtlichen Sorgfaltspflicht nicht nachkommt. Von der Umwelt ganz zu schweigen: LNG soll auch aus Scarborough in Australien kommen. Die dortige Offshore-Produktion bedroht ein besonders sensibles marines Ökosystem, sollte sie wie geplant ablaufen. [3]

"Durch Geschäfte mit anderen fragwürdigen Lieferanten holt sich Uniper neue Probleme ins Haus und konterkariert gleichzeitig sogar die eigenen, unzureichenden Klimaziele. Dabei ist längst klar, dass der Ausstieg aus Erdgas sofort eingeleitet werden muss, um das 1,5 Grad-Ziel noch zu erreichen [4]”, kommentiert Sebastian Rötters, Energie-Kampaigner bei urgewald.

Kolumbianische Kohle: Bedrohung für Mensch und Umwelt

Bei den Importen von Kohle sieht es nicht besser aus. Uniper plant, russische Kohle durch höhere Importe von “Blutkohle” aus Kolumbien zu ersetzen, obwohl zivilgesellschaftliche Organisationen das Unternehmen seit vielen Jahren auf die massiven Menschenrechtsverletzungen vor Ort hinweisen. Durch die verstärkte Kohle-Nachfrage aus Europa drohen dort nun weitere Eingriffe in die fragilen Ökosysteme. Die über Jahrzehnte bereits geschädigte Lokalbevölkerung wartet derweil noch immer auf Wiedergutmachung.

“Wenn es ums Geschäft geht, ignoriert Uniper Klima, Menschenrechte und Umweltbelange. Das Grundproblem bleibt, dass das Unternehmen auch im sechsten Jahr seit der Abspaltung von E.on keinen überzeugenden Kurswechsel vorgenommen hat. Es verharrt in der alten fossilen Denke, während die europäische Konkurrenz beim Ausbau der Erneuerbaren enteilt. Besonders enttäuschend ist, dass der finnische Mutterkonzern Fortum hier keinerlei positive Impulse zu setzen scheint”, so Sebastian Rötters.

Mehr als die Hälfte von Unipers Stromerzeugung 2021 basierte auf fossilem Erdgas und Kohle. Gegenüber 2020 benötigte Uniper etwa 15 Prozent mehr Gas. Auch die Kohleverstromung nahm um 23 Prozent zu, sodass die direkten CO₂-Emissionen 2021 um fast 20 Prozent auf 50,9 Mio. Tonnen CO₂ stiegen. 38,6 Prozent der 2021 von Uniper unter Direktverträgen bezogenen Kohle stammten aus Kolumbien. Mit dem europäischen Embargo für Kohle kommt ein baldiges Ende der Lieferungen aus Russland, die etwa ein Drittel der von Uniper importierten Kohlemengen ausgemacht haben. Daher ist davon auszugehen, dass Uniper in Zukunft noch mehr Kohle aus Kolumbien beziehen will. [5]

Aktueller Gegenantrag zur Hauptversammlung: https://www.kritischeaktionaere.de/uniper/trotz-ukrainekrieg-weiterhin-geschaefte-mit-russland-unsere-gegenantraege/

Notizen:

[1] Uniper gibt an, dass sie ingesamt 300 TWh an Langfristverträgen für Erdgas haben, was laut der HV-Rede von CEO Klaus-Dieter Maubach einem Drittel des durchschnittlichen deutschen Gasverbrauchs entspricht. Damit entsprechen 200 TWh aus Russland etwa 18% des durchschnittlichen deutschen Gasverbrauchs. www.uniper.energy/news/de/update-zu-unipers-russlandaktivitaeten-und-weiteren-schritten

[2] Wenn etwa LNG in den USA durch Fracking gefördert wird, ist es laut einer Stellungnahme der Bundesregierung ähnlich klimaschädlich wie Kohle. www.rnd.de/politik/bundesregierung-lng-gas-aus-fracking-forderung-ahnlich-klimaschadlich-wie-kohle-D7F5S3NTJJFHJGOEFQHGDY3HSM.html

[3] https://gogel.org/scarborough-gas-field-and-burrup-hub

[4] https://climateanalytics.org/publications/2021/why-gas-is-the-new-coal/

[5] www.uniper.energy/sites/default/files/2022-05/20220505-1700-28564-uniper-sr21-en_1.pdf

 

Protestaktion "UNIque PERformance of Destruction" am 18. Mai ab 9 Uhr vor der Uniper-Zentrale Düsseldorf
UNIque PERformance of destruction-Spruch mit Gasförderanlagen

Zur Jahreshauptversammlung von Uniper am 18. Mai 2022 fordern Umweltgruppen und Menschenrechtsaktivist*innen vom Energiekonzern ein Ende seines zerstörerischen Geschäftsmodells.

Trotz der fortschreitenden Klimakatastrophe, dem völkerrechtswidrigen Krieg Russlands gegen die Ukraine und Menschenrechtsverletzungen beim Kohleabbau in Kolumbien und anderen Ländern hält Uniper an seiner fossilen Strategie fest. Die Umwelt- und Menschenrechtsgruppen fordern einen sofortigen Stopp des Imports von Gas und Kohle aus Russland, damit Uniper nicht weiterhin Zahlungen an Kriegsverbrecher leistet. Außerdem wird Uniper aufgefordert, russische Kohle nicht einfach durch noch mehr Importe aus Ländern wie Kolumbien oder Südafrika zu ersetzen, da der Kohlebergbau auch dort zu Menschenrechtsverletzungen und Umweltzerstörung führt. Zugleich verlangen sie das Aus für das klimapolitisch und juristisch seit Jahren heftig umstrittene Kohlekraftwerk Datteln 4.

Um der Forderung Nachdruck zu verleihen, rufen sie am Mittwoch, 18.05.2022 von 9 bis 11 Uhr zu einem kreativen Protest vor der Uniper-Zentrale, Holzstraße 6, 40221 Düsseldorf, auf. Mit weißen Anzügen, Bildern, Bannern und Plakaten werden die Auswirkungen des zerstörerischen Geschäftsmodells deutlich gemacht.

Die beteiligten Gruppen sind:
Netzwerk "Datteln 4 stoppen wir", urgewald, Fridays for Future Düsseldorf, attac Düsseldorf und der Dachverband Kritische Aktionärinnen und Aktionäre.

 

18.05.2022
Düsseldorf

Kontakt

    Bild Anprechpartner   Sebastian Rötters

    Sebastian Rötters
    Energie- und Kohlekampagnen
    sebastian [at] urgewald.org

    Bild Anprechpartner   Sonja Meister

    Sonja Meister
    Energie- und Kohlekampagnen
    sonja.meister [at] urgewald.org

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