Allianz: Menschenrechtliche Beschwerde zeigt Mitverantwortung für LNG-Gefahren

Pressemitteilung

München, 05.05.2026

Heute hat urgewald gemeinsam mit ihrer Partnerorganisation Rainforest Action Network (RAN) sowie lokalen Organisationen aus dem US-Bundesstaat Louisiana offiziell eine menschenrechtliche Beschwerde beim Allianz-Konzern wegen seiner LNG-Versicherungsgeschäfte in den USA eingereicht. Kurz vor der diesjährigen Hauptversammlung der Allianz am Donnerstag lenkt die Beschwerde den Blick auf die vielfältigen Gefahren des LNG-Sektors auch für die Reputation des Versicherers. 

Konkret geht es um geschäftliche Verbindungen zum umstrittenen Konzern Venture Global, der aktuell das LNG-Terminal CP2 in Louisiana bauen lässt. Nach jüngsten Recherchen von RAN hält die Allianz-Tochtergesellschaft AGCS Marine eine Versicherungspolice in Höhe von 1 Million US-Dollar eines für das Terminal CP2 beauftragten Bauunternehmens, Callan Marine, welche am 1. Oktober dieses Jahres ausläuft bzw. zur Verlängerung ansteht. 

Callan Marine betreibt vor Ort Bagger, die auch zum Einsatz kamen, als sich im August 2025 im Zusammenhang mit den Bauarbeiten eine großflächige Verschmutzung eines örtlichen Sees durch abgebaggerten Schlick ereignete. [1] Dies verringerte die Fangzahlen für Krabben und Austern stark und schädigte die lokalen Fischer*innen. 

Beschwerde zum Download: https://www.ran.org/wp-content/uploads/2026/05/May-2026-Allianz-Human-Rights-Grievance.pdf 

Zum Thema standen Fachleute von RAN und urgewald wiederholt im Austausch mit der Allianz, die ebenfalls an der Versicherung des älteren LNG-Terminals Calcasieu Pass (CP) beteiligt war, das sich in direkter Nähe zu CP2 befindet. Die vorliegende Versicherungspolice zeigt, dass der Versicherer dennoch an den Geschäften zu Gunsten von Venture Global festhält. 

Ethan Nuss, Energie- und Finanzexperte bei RAN, sagt: „Was nützen die Menschenrechtsverpflichtungen der Allianz, wenn sie gleichzeitig menschenrechtsverletzende Aktivitäten versichert? Die LNG-Verschmutzung hat schwere Schäden für die Lebensgrundlagen und die Gesundheit der lokalen Fischerfamilien verursacht. Sie haben Anspruch auf Wiedergutmachung. Die Allianz muss ihren Versicherungsschutz für die LNG-Terminals von Venture Global beenden.“

Kapitän Ray Mallet, lokaler Garnelenfischer und Mitglied der Vereinigung FACTS beim regionalen Habitat Recovery Project, sagt: „Der Unfall reiht sich in eine Serie von Umweltverstößen ein, die uns unsere Lebensgrundlage nehmen. CP2 entwickelt sich zu einem Industrieprojekt, das Gemeinden, Gesundheit, Klima, lokale Wirtschaft und Gerechtigkeit für kurzfristigen Profit opfert. Aber um es ganz klar zu sagen: Venture Global ist nicht das einzige Unternehmen, das aus unserem Leid Profit schlägt. Keine Finanzinstitution sollte in CP2 investieren. Keine Versicherungsgesellschaft sollte CP2 versichern. Unsere Regierung muss alle Genehmigungen im Zusammenhang mit diesem Projekt widerrufen oder deren Erteilung verweigern.“

urgewald weist darüber hinaus auf die anhaltenden Schwächen in der Energierichtlinie der Allianz hin: Trotz aller positiver Aspekte in der Richtlinie im Bereich Öl- und Gasförderung bleibt die Allianz global ein wichtiger Versicherer insbesondere für den schädlichen Ausbau von Gasinfrastruktur, etwa für LNG-Terminals. 

Regine Richter, Finanz-Campaignerin bei urgewald, sagt: „Wenn der Fall in Louisiana eines zeigt, dann welchen vielfältigen Gefahren der LNG-Sektor Mensch und Umwelt aussetzt. Dabei reicht schon ein Blick auf jüngste Klimadaten, um zu verstehen, dass kein einziges neues LNG-Terminal in Betrieb gehen darf. Hier spielt die Allianz als global einflussreicher Industrieversicherer eine zentrale Rolle. Sie muss ihrer Verantwortung gerecht werden und Geschäfte mit Gasinfrastruktur konsequent beenden.“

Weitere Informationen:

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  1. Vgl. https://habitatrecovery.org/cp2-timeline