Berlin, 07.09.2026
Im September werden drei Vertreter*innen aus der argentinischen Zivilgesellschaft durch Europa reisen, um Regierungen und Finanzinstitute über die Folgen des drohenden Aufbaus einer gigantischen fossilen Lieferinfrastruktur im San-Matías-Golf in Patagonien aufzuklären. Der Bundesregierung liegt eine Voranfrage für eine staatliche UFK-Garantie für ein geplantes LNG-Projekt in der Region vor, dessen „Förderungswürdigkeit“ inzwischen bestätigt wurde. Gleichzeitig ist die Deutsche Bank an einem Kredit für eine dort geplante Pipeline beteiligt. urgewaldorganisiert die Delegationsreise gemeinsam mit ihrer argentinischen Partnerorganisation Fundación Ambiente y Recursos Naturales (FARN).
Im Zeitraum 21. bis 25. September sind Gespräche mit Abgeordneten des Deutschen Bundestages, Vertreter*innen der Bundesregierung sowie der Deutschen Bankgeplant. Gerne organisieren wir Interviews mit Medienvertreter*innen in Berlin oder Frankfurt.
Die Delegation
José María Musmeci ist ein bekannter patagonischer Umweltschützer und Präsident der Fundación Patagonia Natural. Er war zuvor Umweltminister der Provinz Chubut.
Natalia Di Giacomo ist Lehrerin in der betroffenen Region und aktiv im Bündnis Multisectorial Golfo San Matías, das sich für den Schutz des Golfs vor fossilen Geschäften einsetzt.
Ana Victoria Domínguez Britos ist Umweltjournalistin. Sie koordiniert die nationale Kampagne Golfo Azul Para Siempre (dt. „Blauer Golf für immer“), in der sich Organisationen aus der betroffenen Region sowie aus den Bereichen Umweltschutz und Wissenschaft aus ganz Argentinien zusammengeschlossen haben, um sich gegen die fossilen Projekte im Golf zu wehren.
Hintergrund
Fossile Konzerne und ihre Unterstützer, darunter auch in Deutschland, wollen den naturbelassenen San-Matías-Golf in einen international bedeutenden Exportknotenpunkt für Öl und Gas (LNG) verwandeln. Die Pläne bedrohen ein einzigartiges marines Ökosystem, darunter die Südlichen Glattwale, welche die ruhigen Gewässer des Golfs regelmäßig aufsuchen, um ihre Kälber aufzuziehen. Sie drohen zudem die jahrzehntelange Lieferung fossiler Brennstoffe festzuschreiben und damit das Einhalten der kritischen 1,5-Grad-Temperaturschwelle weiter zu gefährden.
Die Bundesregierung wurde von einer bisher öffentlich nicht bekannten Bank gebeten, die rohstoffpolitische Förderungswürdigkeit im Rahmen einer Ungebundenen Finanzkreditgarantie (UFK-Garantie) für ein LNG-Projekt in der betroffenen Region zu prüfen. Diese grundsätzliche „Förderungswürdigkeit“ wurde von der Bundesregierung inzwischen bestätigt [1], was ein erster Schritt auf dem Weg zu einer staatlichen Unterstützung ist. Mit einer Petitionskampagne [2] übt urgewald Druck auf die Bundesregierung aus, sich von dem Vorhaben zu distanzieren.
Indirekt ist die Bundesregierung auch über den Staatskonzern SEFE involviert, welcher eine achtjährige LNG-Liefervereinbarung mit dem argentinischen Gaslieferanten Southern Energy eingegangen ist, die schon 2027 starten soll. Solche Lieferverträge machen den fossilen Ausbau vor Ort erst möglich. [3]
Auch die Deutsche Bank ist involviert. Sie hat sich maßgeblich an einem Kredit in Höhe von 2 Milliarden US-Dollar für eine Pipeline beteiligt, welche Öl aus dem gigantischen Vaca-Muerta-Fracking-Gebiet an die Küste des San-Matías-Golf transportieren soll. [4] Demgegenüber haben zahlreiche Banken, darunter die Weltbank-Tochter IFC und die französische BNP Paribas, die Finanzierung von Öl- und Gasprojekten im San-Matías-Golf ausgeschlossen.
Die Südlichen Glattwale standen Anfang des 20. Jahrhunderts durch den kommerziellen Walfang am Rande des Aussterbens. Schätzungen zufolge war ihr weltweiter Bestand in den 1920er Jahren auf etwa 300 Tiere geschrumpft. Jahrzehntelange Naturschutzbemühungen haben dazu beigetragen, dass sich ihre Population erholt hat, weshalb der weitere Schutz ihrer Paarungs- und Kalbungsgebiete von großer Bedeutung ist. Die Artenvielfalt des San-Matías-Golfs und die dort angebotenen Walbeobachtungen ziehen Tourist*innen aus aller Welt an, was ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für die lokalen Gemeinden ist.
Gleichzeitig spielt der Golf eine zentrale Rolle in den Plänen von Argentiniens rechts-populistischem Präsidenten Javier Milei, der das Land zu einem bedeutenden Exporteur von Flüssigerdgas (LNG) machen will.
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- Vgl. Antwort auf Kleine Anfrage der Fraktion Die Linke im Bundestag vom 13.08.26, S. 4: https://dserver.bundestag.de/btd/21/076/2107615.pdf
- https://weact.campact.de/petitions/walparadies-retten-kein-gas-deal-mit-argentinien
- https://www.sefe.eu/en/media/newsroom/press-releases/press-release-detail_2368.html
- https://bruchoufunes.com/en/vmos-us2bn-syndicated-loan-vaca-muerta-sur-pipeline/