EnBW verschleppt die Energiewende

Pressemitteilung

Berlin, 05.05.2026

Anlässlich der Hauptversammlung des Energiekonzerns EnBW am Donnerstag kritisieren die Deutsche Umwelthilfe (DUH), urgewald und der Dachverband Kritische Aktionär*innen die jüngste Ausweitung der Kohleverstromung sowie die Pläne von EnBW für LNG-Importe und deutsche Gaskraftwerke. 

Rund 50 Prozent seines Umsatzes erwirtschaftete EnBW im Jahr 2025 aus der Verbrennung fossiler Energien. Das zeigt eine Analyse auf Basis der aktuellen urgewald-Datenbanken zur Kohle- (GCEL 2025) und zur Öl- und Gasindustrie (GOGEL 2025). Den Anteil von Kohle an seiner Stromerzeugung hat EnBW zuletzt deutlich erhöht, von rund 23 Prozent im Jahr 2024 auf rund 33 Prozent Kohleanteil im Jahr 2025. Zahlen des Datenanbieters ENTSO-E [1] zeigen, dass die Gesamtstromerzeugung aus Kohle bei EnBW in 2025 mit 10,6 Millionen Megawattstunden um 12 Prozent über der des Jahres 2023 (9,4 Mio. MWh) und sogar um 89 Prozent über der des Jahres 2024 (5,6 Mio. MWh) lag. 

Moritz Leiner, Energie-Campaigner bei urgewald, sagt: „EnBW verschleppt die Energiewende. Kein anderer deutscher Energieversorger hat die Kohleverbrennung zuletzt auch nur annähernd so stark ausgeweitet. Statt möglichst lange dreckige Steinkohle aus Kolumbien zu verbrennen, sollte EnBW endlich Kurs setzen auf den Kohleausstieg im Jahr 2028 und Erneuerbare klar priorisieren.“

EnBW hält auch an folgenreichen LNG-Importen fest, unter anderem durch Verträge mit dem Staatskonzern ADNOC aus den Vereinigten Arabischen Emiraten. Der Irankrieg und die zuletzt gestiegenen Öl- und Gaspreise weltweit zeigen abermals, mit welchen geopolitischen, ökonomischen, ökologischen und menschenrechtlichen Gefahren der Import von LNG verbunden ist. Auch ein LNG-Liefervertrag mit dem US-amerikanischen Unternehmen Venture Global, das sein Geschäft mit Fracking-LNG aktuell stark ausweitet und damit die Klimakrise massiv zu verschärfen droht, steht verstärkt in der Kritik. Eine Beschwerde der DUH wegen vermuteter menschen- und umweltrechtlicher Verstöße dieses Liefervertrags gegen das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz ist beim zuständigen Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) bereits anhängig. [2]

Im Zusammenhang mit den zuletzt vom Spiegel aufgedeckten Lobbyaktivitäten von EnBW, um Batteriespeicher bei den Kapazitätsauktionen gegenüber neuen Gaskraftwerken zu benachteiligen, kritisieren die Umwelt-NGOs die Klimaziele des Konzerns als unglaubwürdig. GOGEL-Daten zeigen: EnBW plant den Ausbau von Gaskraftwerkskapazität in Höhe von mindestens 2,19 Gigawatt.

Sascha Müller-Kraenner, Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe, kommentiert: „EnBW kauft große Mengen an Fracking-LNG aus den USA, das unter besonders gesundheits-, umwelt- und klimaschädlichen Bedingungen produziert wird. Die massive Ausweitung der US-Gasproduktion und Exportinfrastruktur, die EnBW damit unterstützt, geht zu Lasten der Umwelt und betroffener Bevölkerungsgruppen, die mit gravierenden gesundheitlichen Beeinträchtigungen durch fossile Verschmutzung zu kämpfen haben. Dass EnBW jetzt auch noch zusammen mit Gasministerin Katherina Reiche Batteriespeicher ausbremsen und die Kapazitätsauktionen auf neue Gaskraftwerke zuschneiden will, zeigt: EnBW braucht dringend eine überzeugende Klimastrategie. Wer in heutigen Zeiten weiter konsequent auf fossile Energien setzt, schließt eine Wette gegen unsere Zukunft ab.“

Markus Dufner vom Dachverband der Kritischen Aktionär*innen verweist darauf, dass Kolumbien Hauptlieferant für die Kohlekraftwerke der EnBW ist und mit einer Menge von 1,9 Millionen Tonnen Steinkohle 65 Prozent des Gesamtbedarfs des Konzerns im Jahr 2025 abgedeckt hat. „In Tagebauen wie Cerrejón kam es in der Vergangenheit zu teils gewaltsamen Umsiedlungen indigener und afrokolumbianischer Gruppen. Das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz untersagt aber widerrechtliche Räumungen. EnBW muss mehr Druck auf die Minenbetreiber ausüben und sich für angemessene Entschädigungen oder Landrückgaben einsetzen.“

Gegenantrag zur EnBW-Hauptversammlung: https://www.kritischeaktionaere.de/enbw/fossiler-rollback-statt-blick-in-die-zukunft-unser-gegenantrag-zur-hauptversammlung-2026-der-enbw/

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  1. https://www.entsoe.eu/data/transparency-platform/  
  2. https://www.duh.de/presse/pressemitteilungen/pressemitteilung/wegen-drohender-umwelt-und-gesundheitsgefaehrdung-durch-us-fracking-gas-deutsche-umwelthilfe-reicht/