Berlin, 23.07.2026
Die Stiftung des Fonds zur Finanzierung der kerntechnischen Entsorgung (KENFO) investiert weiterhin in fossile Unternehmen. Das zeigt eine Analyse von urgewald der jüngst veröffentlichten Jahresbilanz des Fonds. Demnach hat der KENFO im Jahr 2025 insgesamt 860,1 Mio. Euro in Kohle-, Öl- und Gasfirmen angelegt. Zuletzt investierte die größte öffentlich-rechtliche Stiftung Deutschlands in 125 fossile Unternehmen – ein Großteil davon baut seine klimaschädlichen Geschäfte weiter aus.
Für die Auswertung hat urgewald das vor kurzem veröffentlichte KENFO-Portfolio (Stand: Dezember 2025) mit den eigenen Datenbanken für die Kohle- (GCEL, inkl. metallurgische Kohle (MCEL)) sowie die Öl- und Gasindustrie (GOGEL) abgeglichen. GCEL, MCEL und GOGEL sind die umfangreichsten öffentlich zugänglichen Datenbanken zu Geschäftsaktivitäten fossiler Industrie und werden von Hunderten Finanzinstitutionen weltweit genutzt, um Klimarisiken in Portfolios zu erkennen und klimagerecht anzugehen.
Die Liste der fossilen Investitionen des KENFO (in US$) kann hier abgerufen werden: https://investinginclimatechaos.org/data?org=KENFO+-+Fonds+zur+Finanzierung+der+kerntechnischen+Entsorgung
Besonders brisant: Der KENFO steht Presseberichten zufolge im Gespräch, künftig auch die von der Bundesregierung geplante Kapitalrente zu verwalten. Dazu kommentiert Kathrin Petz, Finanz-Campaignerin bei urgewald: „Bei der bisherigen Anlagestrategie des KENFO würde das bedeuten: noch mehr Geld, das eigentlich unsere Zukunft absichern soll, fließt in fossile Expansion - und befeuert damit genau die Klimakrise, die unsere Zukunft bedroht.“
Zu den größten Einzelinvestitionen im Öl- und Gasbereich im aktuellen KENFO-Portfolio zählen Shell (Platz 1, 72,4 Mio. Euro) und TotalEnergies (Platz 3, 51,8 Mio. Euro). TotalEnergies, der größte Öl- und Gaskonzern der EU, expandiert im Vergleich mit seinen direkten Wettbewerbern am häufigsten in autokratisch regierten Staaten, „Hybridregimen“ sowie in Ländern mit hohen politischen und wirtschaftlichen Risiken.
Eines der umstrittensten Projekte von TotalEnergies ist „Mozambique LNG“. Im Zusammenhang mit dem Projekt wurden in Frankreich, dem Hauptsitz des Konzerns, zwei Strafanzeigen gegen TotalEnergies eingereicht: eine unter anderem wegen fahrlässiger Tötung, die andere wegen Beihilfe zu Kriegsverbrechen, Folter und Verschleppung. TotalEnergies bestreitet die Vorwürfe. Im Dezember 2025 zogen die Exportkreditagenturen des Vereinigten Königreichs sowie der Niederlande ihre Beteiligungen an Projektkrediten im Umfang von rund 2,2 Milliarden US-Dollar zurück. Der KENFO jedoch hält weiter an TotalEnergies fest. Die Gasturbinen für Mozambique LNG will Siemens Energy liefern. Der weltweit größte Gasturbinenhersteller ist auf Platz 7 der fossilen KENFO-Investitionen.
Die urgewald-Analyse zeigt: Insgesamt planen die vom KENFO investierten Unternehmen, neue fossile Ressourcen im Umfang von 52 Milliarden Barrel Öl-Äquivalent (bboe) zu erschließen. Sie geben jährlich 23,7 Milliarden US-Dollar für die Suche nach neuen Öl- und Gasfeldern aus, allen voran Shell, BP und Eni.
Der KENFO investierte zuletzt 360,4 Mio. Euro in Unternehmen, die den weltweiten Flüssigerdgas (LNG)-Boom vorantreiben. Darunter zahlreiche US-Unternehmen wie Venture Global, Cheniere Energy, Enbridge und Sempra, die den LNG-Export am Golf von Mexiko massiv ausbauen wollen. Die Auswirkungen dieses Ausbaus auf die Gesundheit der lokalen Bevölkerung sind bereits jetzt katastrophal.
Trotz hoher fossiler Investitionen rühmt sich das KENFO-Management dafür, die CO2-Intensität seines Aktien- und Anleihenportfolios kontinuierlich zu senken. Dabei berücksichtigt es jedoch den größten Anteil der Emissionen nicht. Diese sogenannten Scope 3-Emissionen entstehen in der nachgelagerten Wertschöpfungskette, etwa bei der Verbrennung von Öl, Kohle und Gas. „Scope 3-Emissionen zu berücksichtigen ist heute Standard. Die Bundesbank bezieht die Scope 3-Emissionen in ihrer Berichterstattung zu den Sondervermögen des Bundes selbstverständlich mit ein. Indem der KENFO diese Emissionen versteckt, verkündet er Erfolge, die nicht seriös sind”, kommentiert Christoph Meyer von Fossil Free Berlin.
Auch die fossilen Expansionspläne der Unternehmen bleiben in dieser Rechnung außen vor. „Durch methodische Tricks wird der KENFO nicht zum nachhaltigen Finanzakteur. Der Fonds muss seiner öffentlich-rechtlichen Verantwortung mit echter Klimaschutzambition gerecht werden“, kommentiert Kathrin Petz.
Der schwedische Staatsfonds AP7 wird in der Debatte um die deutsche Kapitalrente immer wieder als Vorbild genannt. Zwar ist auch der AP7 noch tief in fossilen Unternehmen investiert, anders als der KENFO schließt er jedoch einige Unternehmen mit „erheblichen Auswirkungen auf das Klima“ und „unzureichendes Transformationspotential“ aus. Darunter u.a. Shell, TotalEnergies, Enbridge und BP, die im KENFO-Portfolio nach wie vor vertreten sind (eine vollständige Liste unten).
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- Vgl. https://www.urgewald.org/publikationen/totalenergies_expansion_analyse_26
- Vgl. https://www.reuters.com/world/europe/totalenergies-faces-french-manslaughter-probe-over-mozambique-attack-2025-03-15/
- Vgl. https://www.ecchr.eu/pressemitteilung/totalenergies-faces-criminal-complaint-for-complicity-in-war-crimes-torture-and-enforced-disappearance-in-mozambique/
- Vgl. https://totalenergies.com/news/press-releases/mozambique-lng-clarification-totalenergies
- Vgl. https://www.ran.org/wp-content/uploads/2025/04/NO_MORE_SACRIFICE_ZONES_2025.pdf
- Vgl. https://www.kenfo.de/presse-medien#c134
- Vgl. https://www.bmi.bund.de/SharedDocs/downloads/DE/veroeffentlichungen/2025/klimabezogene-berichterstattung-sondervermoegen.pdf
- Vgl. https://www.ap7.se/english/esg/
Vom AP7 ausgeschlossene fossile Firmen, in die der KENFO investiert ist |
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| Shell PLC |
| TotalEnergies SE |
| Enbridge Inc. |
| Marathon Petroleum Corp. |
| OMV AG |
| Vedanta Ltd. |
| BP PLC |
| Petroleo Brasileiro S.A. - PETROBRAS |
| Woodside Energy Group Ltd. |
| Repsol S.A. |
| Aluminum Corp. of China Ltd. [Chaico] |
| Aker BP ASA |
| NRG Energy Inc. |
| Sumitomo Corp. |
| Sasol Ltd. |
| Inpex Corp. |
| Lukoil Pjsc |
| Idemitsu Kosan Co. Ltd. |
| The AES Corp. |