Berlin, 12.05.2026
Die deutsche Bundesregierung entscheidet mit darüber, ob aus dem naturbelassenen San-Matías-Golf in Patagonien ein Öl- und Gas-Exportzentrum wird. Ihr liegt aktuell eine Voranfrage für eine Ungebundene Finanzkredit-Garantie („UFK-Garantie“) für den LNG-Ausbau in der argentinischen Region vor. Heute haben eine urgewald-Expertin sowie Sprecher*innen aus der argentinischen Wissenschaft und Zivilgesellschaft in einer Pressekonferenz vor den schwerwiegenden Folgen der LNG-Geschäfte gewarnt.
Dabei wurde auch klar: Kommt die Regierung dem Wunsch des bisher nicht bekannten Antragstellers aus der Finanzindustrie nach, würde sie damit auch die rücksichtslose fossile Agenda von Argentiniens Präsident Javier Milei unterstützen.
Grundlage der Voranfrage für die UFK-Garantie könnte die Anfang März beschlossene achtjährige LNG-Liefervereinbarung zwischen dem deutschen Staatskonzern SEFE und dem argentinischen Gaslieferanten Southern Energy sein, die 2027 starten soll. Damit würde SEFE zum weltweit ersten langfristigen LNG-Abnehmer aus Argentinien. [1]
Regine Richter, Expertin für Außenwirtschaftsförderung bei urgewald, sagt: „Kurz nach Deutschlands Teilnahme beim Staatengipfel für den fossilen Ausstieg in Kolumbien steht die Klima-Glaubwürdigkeit der Bundesregierung auf dem Spiel. Deutsche UFK-Garantien wären ein Türöffner für dieses verheerende fossile Expansionsprojekt, mit jahrzehntelangen Folgen für das Weltklima und die Umwelt vor Ort. Unter der schwarz-roten Bundesregierung drohen solche regionalen und globalen Gefahren den wirtschaftlichen Interessen Weniger untergeordnet zu werden. Umweltminister Carsten Schneider muss intervenieren.“
Die Vermutung liegt nahe, dass die Deutsche Bank hinter der Voranfrage nach Kreditabsicherung steckt. Sie ist bereits maßgeblich an einem Kredit in Höhe von 2 Milliarden US-Dollar für eine Pipeline beteiligt, welche Öl aus dem gigantischen Vaca-Muerta-Fracking-Gebiet an die Küste des San-Matías-Golf transportieren soll – in der gleichen Region, in der auch die LNG-Lieferinfrastruktur für das genannte LNG-Geschäft für SEFE entstehen soll.
Die von argentinischen Unternehmen geplante Öl- und LNG-Infrastruktur ist eine direkte Bedrohung für die bisher in weiten Teilen unberührten Küstengebiete und die marine Artenvielfalt vor Ort. Unter anderem für die Südlichen Glattwale, die Jahr für Jahr die ruhigen Gewässer des San-Matías-Golfs aufsuchen, um sich zu paaren und ihre Kälber aufzuziehen.
Die Kampagne „Golfo Azul Para Siempre“ (dt: „Blauer Golf Für Immer“) der argentinischen Organisation FARN (Fundación Ambiente y Recursos Naturales) und ihrer Koalitionspartner kämpft für den Erhalt des Gebietes und gegen Mileis fossile Agenda. Zahlreiche Banken, darunter die Weltbank-Tochter IFC und Frankreichs BNP Paribas, schließen die Finanzierung von Öl- und Gasprojekten im San-Matías-Golf bereits aus.
Ana Victoria Domínguez Britos, Projektmanagerin der Kampagne „Golfo Azul Para Siempre”, sagt: „Die Umwandlung des San-Matías-Golf in einen Öl- und LNG-Export-Hub würde Argentinien über Jahrzehnte von fossilen Strukturen und Exporten abhängig machen. Dies geht auf Kosten eines einzigartigen Meeresökosystems und der Gemeinden, die davon abhängen. Das ist das Gegenteil von Entwicklung, im Angesicht der Klimakrise ist es ein Rückschritt.“
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