München, 28.04.2026
Vor der morgigen Hauptversammlung von Munich Re kritisiert die Umwelt- und Menschenrechtsorganisation urgewald die anhaltenden LNG-Versicherungsgeschäfte des Rückversicherers. Munich Re veröffentlicht regelmäßig Forschungsergebnisse, welche die wachsenden Gefahren durch klimabedingte Unwetterkatastrophen für das Versicherungssystem verdeutlichen. Allein für das Jahr 2024 bezifferte der Konzern die globalen Schäden durch Naturkatastrophen auf 320 Milliarden US-Dollar.
Gleichzeitig hält Munich Re an der Versicherung fossiler Infrastruktur fest, deren Ausbau die Klimakrise weiter verschärft. Diese Klimawidersprüche wurden auch mit der Ende 2025 veröffentlichten Strategie „Klimaambition 2030“ und der im Januar angepassten Richtlinie zum Umgang mit fossilen Brennstoffen nicht aufgelöst. In der Richtlinie schließt der Konzern nur einen kleinen Teil der Versicherungsgeschäfte mit neuen LNG-Terminals aus.
Regine Richter, Versicherungs-Campaignerin bei urgewald, sagt: „Vor den Bedrohungen der Klimakrise warnen und gleichzeitig Prämien für den Betrieb von LNG-Terminals kassieren, das passt nicht zusammen. Wir fordern den neuen Vorstandsvorsitzenden Christoph Jurecka auf, diese Doppelmoral endlich zu beenden.“
Die neue Richtlinie schließt neue LNG-Terminals zwar grundsätzlich von der Erst- und Rückversicherung aus – allerdings nur dann, wenn sie direkt und ausschließlich an neue Gasfelder geknüpft sind. Diese enge Definition erfasst nur sehr wenige neue LNG-Terminals, denn Gasexpansion findet oftmals in Fracking-Gebieten und bestehenden Mega-Gasfeldern statt, wo eine solche Verbindung nicht eindeutig nachgewiesen werden kann. Damit bleibt die Versicherung neuer Gasinfrastruktur auch in den USA weiter möglich, einem Land, das unter der Trump-Regierung massiv auf Gasexporte setzt.
Unter den Folgen der LNG-Expansion in den USA leiden Gemeinden entlang der US-Golfküste besonders stark. Dort sind aktuell bis zu 20 neue LNG-Projekte geplant. Sie verschlechtern, gemeinsam mit den petrochemischen Anlagen vor Ort, die Luftqualität und erhöhen das Risiko für Asthma, Herzkreislauferkrankungen und Krebserkrankungen. Die LNG-Anlagen werden auch in Zusammenhang mit schwindenden Fisch- und Krabbenbeständen gebracht, was Einkommensverluste für die dort arbeitenden Fischer*innen bedeutet. Die betroffenen Gemeinden leisten zunehmend Widerstand gegen diese gefährliche Expansion.
Im Jahr 2025, nach dem Rückzug von Munich Re aus vier internationalen Klimainitiativen, protestierten auch in Deutschland mehrfach Aktivist*innen gegen die fossilen Geschäfte des Konzerns. Gleichzeitig plant Munich Re erst bis 2040 vollständig aus der Versicherung von Kohle auszusteigen – rund zehn Jahre zu spät mit Blick auf gängige Transformationsszenarien. Für Investitionen ist dieses Ausstiegsdatum immerhin vorgezogen worden auf 2030. Für den Öl- und Gasbereich fehlt ein solches konkretes Ausstiegsdatum allerdings bisher vollständig.
Richter kommentiert: „Munich Re lässt zu viele Schlupflöcher für die fossile Industrie offen. Eine ernstzunehmende Exit-Strategie aus fossilen Brennstoffen ist bisher nicht zu erkennen. Vom zweitgrößten Rückversicherer der Welt erwarten wir viel mehr Führung beim Klimaschutz, kein Zaudern und Zögern. Der Vorstand unter dem neuen CEO Christoph Jurecka muss zur Hauptversammlung Farbe bekennen: Wann endet die Versicherung von Gasinfrastruktur endgültig?“
Weitere Informationen:
- Aktuelle Richtlinien großer Versicherer zur Einschränkung fossiler Geschäfte, Übersicht erstellt von Share Action: https://shareaction.org/insurance-fossil-fuel-restrictions-summary
- Aktuelles Briefing zu den Folgen von LNG-Versicherungsgeschäften im „Coral Triangle“: https://global.insure-our-future.com/wp-content/uploads/sites/2/2026/04/LNG-Expansions-VF-faces-pages.pdf