Neuer Banken-Bericht: Mehr als 900 Mrd. US-Dollar für fossile Brennstoffe in 2025

Pressemitteilung

New York, Frankfurt, 09.06.2026

Die 65 größten Banken der Welt haben allein im vergangenen Jahr 906 Milliarden US-Dollar an Unternehmen im Bereich fossiler Brennstoffe vergeben, was einem Anstieg von 8 Prozent gegenüber 2024 entspricht. Seit der Unterzeichnung des Pariser Abkommens vor einem Jahrzehnt haben diese Banken 8,7 Billionen US-Dollar in Öl-, Gas- und Kohleprojekte fließen lassen. Dies sind zentrale Ergebnisse des heute veröffentlichten 17. Berichts „Banking on Climate Chaos“ (BOCC) – dem weltweit umfassendsten öffentlich zugänglichen Datensatz zur Finanzierung fossiler Brennstoffe durch führende Geschäftsbanken.  

„Banking on Climate Chaos“ wird herausgegeben von den Organisationen Rainforest Action Network, BankTrack, Center for Energy, Ecology, and Development, Indigenous Environmental Network, Oil Change International, Reclaim Finance, Sierra Club und urgewald.

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Wichtigste globale Ergebnisse 

Die US-Bank JPMorgan Chase bleibt weltweit größter Geldgeber fossiler Brennstoffe und stellte im Jahr 2025 insgesamt 58 Milliarden US-Dollar für Unternehmen aus der fossilen Brennstoffindustrie bereit, was einem Anstieg von 12,6 Prozent gegenüber 2024 entspricht. Die Bank of America liegt mit 47 Milliarden US-Dollar an zweiter Stelle und die japanische Mitsubishi UFJ Financial Group (MUFG) belegt mit ebenfalls 47 Milliarden US-Dollar den dritten Negativplatz. 

Die „Dirty Dozen“, die zwölf größten Banken im Bereich fossiler Brennstoffe, stellen mittlerweile fast 40 Prozent aller weltweiten Bankenfinanzierungen für fossile Brennstoffe bereit – unter insgesamt rund 2.000 Banken weltweit.

Die Finanzierung für fossil expandierende Unternehmen, welche Kohle-, Öl- und Gasaktivitäten ausbauen, stieg im Jahr 2025 um 27 Prozent auf 508 Milliarden US-Dollar. Jede einzelne dieser Expansionsfinanzierungen ist unvereinbar mit einer Begrenzung der Erderwärmung auf das in Paris vereinbarte Limit von 1,5 Grad Celsius.

Der Anteil der US-Banken an der gesamten weltweiten Bankenfinanzierung für fossile Brennstoffe stieg von 28 Prozent im Jahr 2021 auf 32 Prozent in 2025 und stellt die weltweit größte Einzelquelle für fossiles Finanzkapital dar. 

Europäische Banken weisen den deutlichsten Abwärtstrend zwischen 2024 und 2025 auf: Die Schweizer UBS reduzierte ihre fossilen Geschäfte um 36 Prozent, die spanische La Caixa um 34 Prozent und die französische BNP Paribas um 28 Prozent. Die britische Standard Chartered steigerte ihre Finanzierungen für fossile Brennstoffe hingegen um 28 Prozent, die Deutsche Bank um 20 Prozent und HSBC um 16 Prozent.

Wichtigste Trends in der Finanzierung fossiler Expansionsgeschäfte 

(▲ steht für eine Steigerung der Finanzierung zwischen 2024 und 2025)

Boom in den Sektoren Midstream und fossiles Gas: Im Vergleich zu 2024 erhöhten die 65 größten Banken ihre Finanzierungen für im Bereich Midstream expandierende Unternehmen im vergangenen Jahr um erschreckende 84 % bzw. 116 Mrd. US-Dollar. Die drei größten Einzelempfänger von Bankenfinanzierung weltweit waren im vergangenen Jahr allesamt Unternehmen aus dem Öl- und Gas-Midstream-Sektor. Der US-Konzern Venture Global war mit 33 Mrd. US-Dollar insgesamt größter Einzelempfänger in 2025.

▲ Die Finanzierung von im Bereich Öl- und Gasförderung expandierenden Unternehmen stieg von 192 Mrd. US-Dollar auf 217 Mrd. US-Dollar.

▲ Die Finanzierung von im Bereich Midstream expandierenden Unternehmen stieg von 139 Mrd. US-Dollar auf 255 Mrd. US-Dollar.

▲ Die Finanzierung für den Ausbau von Gaskraftwerken stieg von 154 Mrd. US-Dollar auf 199 Mrd. US-Dollar.

Expansion im Kohlebergbau: Die Finanzierung stieg 2025 um 77 % auf nun 84 Mrd. US-Dollar.

Expansion im Bereich Kohlekraftwerke: Die Finanzierung stieg innerhalb eines Jahres um 40 % und liegt nun bei 81 Mrd. US-Dollar.

Zitate zu globalen Ergebnissen

Niko Lusiani, Leiter der Recherche bei Rainforest Action Network (Co-Autor), sagt: „Ein Jahrzehnt nach Paris stehen aktuell nur zwölf Banken hinter mehr als einem Drittel der weltweiten Finanzierungen für fossile Brennstoffe. Dies beweist, dass es hier nicht mehr um ein branchenweites Problem geht, sondern um die Entscheidungen einer kleinen Gruppe von Führungskräften im Finanzsystem. Sie entscheiden sich dafür, ein Energiesystem zu zementieren, das einigen wenigen fossilen Unternehmen Rekordgewinne beschert, während die Kosten auf drei Viertel der Menschheit abgewälzt werden, welche auf fossile Brennstoffimporte angewiesen sind. Die gute Nachricht ist: Was eine Handvoll Banken aufgebaut hat, können Regierungen und Menschen weltweit ändern.“

Diogo Silva, Kampagnenleiter bei BankTrack (Co-Autor), ergänzt: „Banken erzählen uns immer wieder, dass sie sich für den Klimaschutz engagieren. Doch sobald der politische Druck zunimmt, brechen sie ihre eigenen Richtlinien. Freiwillige Zusagen hatten ihre Chance. Wir brauchen endlich verbindliche Regeln – keine Versprechen.“

Lucie Pinson, Gründerin und Geschäftsführerin von Reclaim Finance (Co-Autorin), sagt: „Während US-amerikanische und japanische Banken weiterhin Milliarden in Kohle, Öl und Gas pumpen, um ohne Rücksicht auf die Folgen kurzfristige Gewinne zu erzielen, haben einige europäische Banken erste Maßnahmen beschlossen, um die Finanzierung neuer Öl- und Gasförderung einzuschränken. BNP Paribas und Crédit Agricole, beide unter den zehn größten Banken der Welt, haben gezeigt, dass solche Maßnahmen zu einer erheblichen Reduzierung der Finanzierungen führen können. Dies zeigt, dass es Alternativen zum fossilen Status Quo gibt. Anhaltender öffentlicher Druck kann Veränderung erzwingen. Die Herausforderung besteht nun darin, diesen Druck aufrechtzuerhalten und zu verstärken, bis der Ausschluss fossiler Finanzierung zur Norm wird.“

Philipp Noack, Finanz-Campaigner bei urgewald (Co-Autor), ergänzt: „Unsere Untersuchung zeigt die wachsende Kluft zwischen den Banken, die die Klimakrise ernst nehmen, und denen, die so tun, als gäbe es sie nicht. Banken spielen eine entscheidende Rolle beim Übergang zu einem nachhaltigen Energie- und Wirtschaftssystem und jede einzelne von ihnen sollte ihrer Verantwortung gerecht werden.“

Zentrale Ergebnisse für Europa und die DACH-Region 

Die BOCC-Auswertung zeigt, dass einige europäische Banken, darunter die französischen Banken BNP Paribas und Crédit Agricole sowie insbesondere die Schweizer Bank UBS, das Niveau ihrer fossilen Finanzierungen über die vergangenen Jahre teils stark reduziert haben. Die Banken in der Europäischen Union zeigen einen Abwärtstrend beim Anteil ihrer Finanzierung von 12,0 Prozent im Jahr 2021 auf 11,1 Prozent im Jahr 2025: ein Rückgang um über 9,4 Milliarden US-Dollar. 

Ergebnisse für UBS

Die UBS reduzierte ihre Finanzierungen für fossile Brennstoffe seit 2021 kontinuierlich, von 21,1 Milliarden US-Dollar auf 3,7 Milliarden US-Dollar im Jahr 2025 – ein Rückgang von mehr als 82 Prozent. Die früheren fossilen Finanzsummen der Credit Suisse wurden nach der Übernahme durch die UBS im Jahr 2023 berücksichtigt. 

Philipp Noack, urgewald-Finanz-Campaigner, kommentiert: „Auch wenn die UBS nach wie vor einige hochproblematische Konzerne wie zum Beispiel Glencore mit Geld versorgt, zeigt sie, dass große Geschäftsbanken relativ schnell ihre fossilen Geschäfte verringern können. Diesen Weg muss der gesamte europäische Bankensektor einschlagen.“

Ergebnisse für deutsche Banken

Während Commerzbank und DZ Bank einen uneindeutigen Trend bei ihrem fossilen Finanzniveau aufweisen, sticht die Deutsche Bank durch eine fast kontinuierliche und deutliche Ausweitung ihrer fossilen Finanzierung heraus: Im Jahr 2021 lag sie bei 11,1 und im Jahr 2025 bei 17,7 Milliarden US-Dollar: ein Anstieg von fast 60 Prozent. Dazu gehört ein deutlicher Sprung nach oben zwischen 2024 und 2025: um fast 20 Prozent. 

Beim Blick auf die Empfänger der Deutsche-Bank-Finanzierungen zeigen sich klar die Folgen der massiven Lücken in ihren Richtlinien, insbesondere in ihrer Öl- und Gas-Richtlinie. So will die Bank zwar die CO2-Emissionen ihrer Öl- und Gasgeschäfte reduzieren, dies gilt aber nur für die Kreditvergabe, nicht aber für das ebenfalls sehr wichtige Finanzierungsfeld der Herausgabe neuer Aktien und Anleihen (Underwriting). Zudem gelten die CO2-Ziele nur für das Öl- und Gasfördergeschäft (Upstream), nicht aber für Unternehmen, welche die nötige Transportinfrastruktur bereitstellen (Midstream).

Im Jahr 2025 war die Deutsche Bank europaweit der größte Finanzierer von Konzernen, die im Sektor LNG expandieren. Die größten Einzelempfänger von Finanzierung zwischen 2021 und 2025 waren die US-Konzerne Enbridge (4,2 Mrd. USD) und Venture Global (3,2 Mrd. USD), die durch ihre nordamerikanischen Pipelines bzw. LNG-Exportterminals das Rückgrat des fossilen Expansionsmodells der USA unter Donald Trump bilden. Darauf folgen die Öl- und Gas-Multis BP (2,9 Mrd. USD) und TotalEnergies (2,5 Mrd. USD)

urgewald-Recherchen zeigen zudem: Im Bereich Underwriting war die Deutsche Bank im Jahr 2025 an der Auflage gleich mehrerer Anleihen mit extrem langer Laufzeit für fossil expandierende Konzerne beteiligt: für TransCanada Pipelines (zwei Anleihen bis 2065 bzw. 2085), Energy Transfer (zwei Anleihen jeweils bis 2056) und Exxon Mobil (zwei Anleihen jeweils bis 2075). Damit sichert sie langfristig Investitionen ab, welche die Klimakrise massiv verschärfen werden.

Noack sagt: „Die Deutsche Bank ist eine große Enttäuschung, wenn es um klima- und transformationsgerechte Finanzgeschäfte geht. Sie setzt weiterhin im gewaltigen Umfang auf fossile Expansion, die vielleicht kurzfristige Renditen bringt, aber mittel- und langfristig Wirtschaft und Gesellschaft destabilisiert. Sie sollte sich ein Vorbild nehmen an Banken wie BNP Paribas, Crédit Agricole oder UBS, die ihre fossilen Finanzen in den vergangenen Jahren reduziert haben. Der wirksamste Hebel für Banken ist der Ausschluss der Finanzierung fossiler Expansion und den nutzt die Deutsche Bank bislang nicht.“

Bei der Commerzbank setzt sich der Schlingerkurs in der fossilen Finanzierung fort. Nach einem kontinuierlichen Anstieg zwischen 2022 und 2024 von 2,2 auf 3,8 Milliarden US-Dollar, reduzierte sie ihr fossiles Finanzvolumen in 2025 mit 2,3 Milliarden US-Dollar wieder fast auf das vorherige Niveau. Die größten Einzelempfänger der Commerzbank im gesamten erfassten Zeitraum waren der Schweizer Rohstoffhändler Vitol (1,4 Mrd. USD), die deutsche EnBW (894 Mio. USD) und BP (858 Mio. USD).

Noack sagt: „Die Commerzbank hat erst vor kurzem, genauso wie die Deutsche Bank, ihre Kohlerichtlinie abgeschwächt. Eine solche Ambitionslosigkeit bei der klimagerechten Transformation, gerade im Sektor Kohle, wirkt wie aus der Zeit gefallen. Die jüngsten fossilen Preisschocks zeigen in aller Klarheit, dass die Zukunft erneuerbar ist.“

Auch die DZ Bank lässt einen klaren Trend in ihrem fossilen Geschäft vermissen. Zwischen 2021 und 2023 steigerte sie ihr Volumen deutlich von 983 Millionen auf 2,3 Milliarden US-Dollar, um es dann auf 1,2 Milliarden US-Dollar in 2024 zu reduzieren und zuletzt erneut auf 1,7 Milliarden US-Dollar in 2025 zu steigern. Die größten Einzelempfänger im Gesamtzeitraum waren die EnBW (857 Mio. USD), Venture Global (767 Mio. USD) und der Rohstoffhändler Trafigura (736 Mio. USD).