DWS: Neue Recherchen belegen Investitionen in Kohlenstoffbomben

Pressemitteilung

Frankfurt, 02.06.2026

Die Klimaschutzorganisationen urgewald, Deutsche Umwelthilfe (DUH) und Leave it in the Ground Initiative (LINGO) kritisieren den Vermögensverwalter DWS kurz vor dessen Hauptversammlung am Mittwoch wegen seiner Investitionen in extrem CO₂-intensive Unternehmen weltweit. Eine jüngste Recherche von urgewald zeigt: DWS investierte zum Stichtag 27.02.2026 insgesamt 9,1 Milliarden US-Dollar in acht Unternehmen, die nach Daten von LINGO an 57 fossilen Kohlenstoffbomben weltweit beteiligt sind. Davon entfielen 8,8 Milliarden auf Aktienbeteiligungen und 340 Millionen US-Dollar auf Anleihebestände. [1]

Konkret geht es um die Konzerne BP, Chevron, ConocoPhillips, Enbridge, Eni, Exxon Mobil, Shell und TotalEnergies. Die 57 Kohlenstoffbomben könnten über ihre gesamte Lebensdauer zusammen mehr als 220 Gigatonnen (220 Milliarden Tonnen) CO₂ erzeugen. Jedes einzelne von ihnen verursacht aufgrund seines Ausmaßes gewaltige Umweltschäden. 

Ein Beispiel für eine solche Kohlenstoffbombe ist der Öl- und Gas-Fracking-Komplex Vaca Muerta in Argentinien, welcher potentiell mehr als zwölf Gigatonnen CO₂ freisetzen könnte.  Dies entspricht mehr als neun Prozent des global verbleibenden CO₂-Budgets auf einem Pfad zur Einhaltung des 1,5-Grad-Limits. Trotzdem investierte DWS insgesamt 4,9 Milliarden US-Dollar in Aktien und 306,6 Millionen US-Dollar in Anleihen von fünf Unternehmen, die in Vaca Muerta involviert sind: BP, Chevron, Eni, Shell und TotalEnergies.

Kjell Kühne, Geschäftsführer von LINGO, sagt: „Durch ihre Investitionen in verantwortliche Unternehmen ist die DWS mit beteiligt, wenn die weltweit am stärksten wachsende Kohlenstoffbombe gezündet wird. Ein verantwortungsbewusster Investor würde angesichts des sich ungebremst fortsetzenden Klimawandels keine Gewinne aus solchen Aktivitäten anstreben.“

Kathrin-Petz, Finanz-Campaignerin bei urgewald, ergänzt: „Die Behauptung Nachhaltigkeit sei ‚fester Bestandteil´ der DNA wurde durch die Greenwashing-Ermittlungen bei der DWS inzwischen entlarvt. Ein nüchterner Blick auf ihre Investitionen bestätigt, dass Klimaschutz kein zentrales Anliegen ist. Dabei hat die Fondsgesellschaft mit ihrer Kohlerichtlinie von 2023 gezeigt, dass sie in Sachen Energietransformation durchaus Standards setzen kann. Nach den Zeiten des Greenwashings sollte die DWS wieder daran anknüpfen.“

Dafür müsste die DWS jedoch aus ihrem Dialog mit Öl- und Gaskonzernen ernsthafte Konsequenzen ziehen. Laut ihren Stewardship Reports für die Jahre 2023 und 2024 und ihrem Engagement-Bericht für 2025 steht sie mit sämtlichen großen Öl-Majors im Austausch und spricht demnach auch über die Netto-Null-Ziele der Konzerne. 

Dass die DWS bei diesen Gesprächen einen teils starken Hebel in der Hand hält, zeigt das Beispiel TotalEnergies: Die DWS-Investitionen im Umfang von fast 2,5 Milliarden US-Dollar in TotalEnergies-Aktien machen einen Beteiligungsanteil von mehr als ein Prozent aus. 

Diesen Einfluss sollte sie dringend nutzen – und im Zweifelsfall auch bereit sein, sich von Beteiligungen zu trennen. Ein aktueller urgewald-Bericht zeigt, dass der französische Öl- und Gaskonzern im Vergleich mit seinen direkten Wettbewerbern am häufigsten in autokratisch regierten Staaten, „Hybridregimen“ sowie in Ländern mit hohen politischen und wirtschaftlichen Risiken expandiert. Dies erzeugt massive Gefahren auch für Menschenrechte und demokratische Standards. [2]

DUH-Bundesgeschäftsführer Sascha Müller-Kraenner sagt: „Die zerstörerischen Investitionen der DWS geschehen nicht im luftleeren Raum. Das zeigt der sowohl aus menschenrechtlicher als auch aus ökologischer Sicht verheerende Fracking-Komplex Vaca Muerta: Durch deutsche Finanzierungen sowie langfristige Gasabnahmepläne von Unternehmen wie SEFE werden diese Schäden aktiv ermöglicht. Es ist höchst besorgniserregend, dass sich die Bundesregierung im Vorfeld der Klimaverhandlungen in Bonn als Klimavorreiterin positioniert, während sie gleichzeitig solche Praktiken unterstützt. Diese Doppelmoral untergräbt Deutschlands internationale Glaubwürdigkeit.“

____________________

  1.  Investing in Climate Chaos 2026. Datensatz und Analyse erstellt von Profundo, Amsterdam. Weitere Datenerhebung und -analyse: urgewald. Die Daten basieren auf den aktuellsten Informationen, die zum Zeitpunkt der Erhebung im März 2026 verfügbar waren (spätester Stichtag: 27.02.2026).