Neuer Bericht: TotalEnergies setzt bei fossiler Expansion stark auf Hochrisikostaaten

Pressemitteilung

Berlin, 20.05.2026

Der EU-weit größte Öl- und Gaskonzern TotalEnergies expandiert im Vergleich mit seinen direkten Wettbewerbern am häufigsten in autokratisch regierten Staaten, „Hybridregimen“ sowie in Ländern mit hohen politischen und wirtschaftlichen Risiken. Das zeigt eine exklusive urgewald-Auswertung auf Basis der Industriedatenbank Global Oil & Gas Exit List (GOGEL 2025)

Mehr als die Hälfte der neuen Öl- und Gasfelder (4.178 von insg. 7.829 Mio. Barrel Öläquivalente/mmboe), die TotalEnergies kurzfristig erschließen will, befindet sich demnach in Autokratien oder „Hybridregimen“. Eine weitere Auswertung zeigt, dass mehr als 3.700 mmboe solcher Vorkommen in „Hoch-“ oder „Höchstrisikoländern“ liegen, in denen geschäftliche Risiken wie Korruption und politische Instabilität besonders ausgeprägt sind. [1]

Die Analyse ist Teil des heute veröffentlichten Berichts „Volles Risiko: TotalEnergies' globale Öl- und Gasexpansion“, hier zum Download: https://www.urgewald.org/sites/default/files/media-files/Briefing_TotalEnergies0426_WEB.pdf 

Sonja Meister, Autorin des Berichts und Energie-Campaignerin bei urgewald, kommentiert:„TotalEnergies fährt bei seiner fossilen Expansion volles Risiko und missachtet die Folgen für die Menschenrechte vor Ort. Dieses Roulette-Spiel hat schwerwiegende Folgen für die Zivilgesellschaft, Ökosysteme und das Klima gleichermaßen.“

Auffällig ist auch die starke geografische Konzentration: Allein 40 Prozent der geplanten kurzfristigen Expansion von TotalEnergies entfallen auf Uganda und Mosambik. Hier befinden sich die menschenrechtlich besonders umstrittenen Projekte „Mozambique LNG“ sowie die ugandischen Ölfelder „Tilenga“ und „Kingfisher“, die Öl für das Pipelineprojekt „EACOP“ liefern. Rechnet man die Expansionsprojekte im Irak hinzu, ergibt sich ein Anteil von mehr als 50 Prozent der gesamten kurzfristigen Upstream-Expansion des Konzerns.

Im Zusammenhang mit „Mozambique LNG“ wurden in Frankreich, dem Hauptsitz des Konzerns, zwei Strafanzeigen gegen TotalEnergies eingereicht: eine unter anderem wegen fahrlässiger Tötung [2], die andere wegen Beihilfe zu Kriegsverbrechen, Folter und Verschleppung [3]. TotalEnergies bestreitet die Vorwürfe. [4] Im Dezember 2025 zogen die Exportkreditagenturen des Vereinigten Königreichs sowie der Niederlande ihre Beteiligungen an Projektkrediten im Umfang von rund 2,2 Milliarden US-Dollar zurück. 

Meister sagt: „TotalEnergies baut seine fossile Präsenz in einigen der instabilsten und repressivsten Ländern der Welt weiter aus – und ignoriert dabei die Konsequenzen für die Menschen vor Ort. Der Rückzug der Exportkreditagenturen und die Strafanzeigen in Frankreich sind keine Zufälle, sondern Symptome einer grundlegend falschen Strategie.“ 

Das gefährliche Geschäftsmodell von TotalEnergies wird stark durch Banken und Investoren auch aus Deutschland gestützt. Anleihen sind im Vergleich zu Krediten zur wichtigsten Finanzierungsquelle des Unternehmens geworden. Unter anderem die deutschen Investoren DWS, Union Investment, Deka Investment und Allianz Global Investors haben in den vergangenen Jahren neue TotalEnergies-Anleihen gekauft. Die Deutsche Bank hat Anleihen des Konzerns herausgegeben. urgewald fordert, dass Finanzinstitutionen ihre Unterstützung für TotalEnergies einstellen und aus der Finanzierung fossiler Expansionsprojekte aussteigen.

Auch mit Blick auf die Energiewende sollten Banken und Investoren ihre Geschäfte mit TotalEnergies kritisch hinterfragen. Der aktuelle Bericht zeigt: Obwohl der Konzern dieses Jahr sein Erneuerbaren-Kapazitätsziel von 100 auf 80 Gigawatt bis 2030 gesenkt hat, müsste der Konzern seinen Ausbau stark beschleunigen, um dies noch zu erreichen. Doch die Investitionsausgaben im dafür entscheidenden Bereich „Integrated Power“ stagnieren, nachdem sie in den vergangenen zwei Jahren um 20 bzw. 25 Prozent reduziert wurden. Sein am 1,5-Grad-Limit ausgerichtetes Netto-Null-Ziel hat TotalEnergies bereits aufgegeben. Die Energieproduktion des Konzerns bleibt laut eigenen Prognosen bis zum Jahr 2030 mit mindestens 85 Prozent überwiegend fossil.

Meister sagt: „TotalEnergies ist regelmäßig auf Unterstützung der Finanzindustrie angewiesen. Ohne neue Anleihen wäre es wesentlich schwieriger für den Konzern, seine zerstörerischen Expansionsprojekte wie ‚Mosambik LNG‘ oder die Ölpipeline ‚EACOP‘ zu finanzieren. Die involvierten Banken und Investoren müssen ihre Verantwortung erkennen und weitere Gelder für diese brandgefährlichen Geschäfte verweigern.“

Hinzu kommt: Durch ein neues Joint Venture mit der tschechischen Holding EPH erwirbt TotalEnergies perspektivisch eine Beteiligung an fast 13 Gigawatt (GW) Gaskraftwerkskapazität in fünf europäischen Ländern: ein gewaltiger Ausbau der fossilen Gaskraftwerkskapazität des Konzerns verglichen mit der derzeit installierten Kapazität in Höhe von sieben GW. 

Details zum EPH-Deal sind in einem ebenfalls heute veröffentlichten Bericht der urgewald-Partnerorganisation Beyond Fossil Fuels (BFF) zu finden: Auf Grundlage der Stromerzeugungszahlen für 2025 schätzt BFF, dass das Joint Venture in den kommenden fünf Jahren klimaschädliche Emissionen verursachen wird, die den jährlichen Emissionen von Irland oder Dänemark entsprechen. Der Bericht von BFF widerlegt das von den beiden Unternehmen propagierte Argument der sogenannten „Flexibilität“ und zeigt die mit dieser Fusion verbundenen klimatischen, geopolitischen und finanziellen Risiken. 

Bericht zum Download: https://beyondfossilfuels.org/2026/05/20/risky-venture-how-a-new-totalenergies-eph-joint-venture-is-rigging-the-game-against-europes-energy-transition

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  1. Für die Berechnung zu Geschäften in Ländern mit schwachen Menschenrechtsstandards hat urgewald die kurzfristigen Expansionspläne von TotalEnergies für neue Öl- und Gasförderung mit den Ergebnissen des Demokratieindex der Economist Intelligence Unit aus dem Jahr 2025 abgeglichen. Für die Berechnung zu Geschäften in Ländern mit hohen politischen und wirtschaftlichen Risiken hat urgewald das Länderrisiko-Rating von Allianz Trade mit Stand März 2026 genutzt.
  2. Vgl. https://www.reuters.com/world/europe/totalenergies-faces-french-manslau…
  3. Vgl. https://www.ecchr.eu/pressemitteilung/totalenergies-faces-criminal-comp…
  4. Vgl. https://totalenergies.com/news/press-releases/mozambique-lng-clarificat…