Investing in Climate Chaos 2026: Größte fossile Investoren weltweit enthüllt

Pressemitteilung

London/Berlin, 23.06.2026

Während Entscheidungsträger*innen und die Zivilgesellschaft auf der London Climate Action Week über Fortschritte zur Bewältigung der Klimakrise debattieren, veröffentlicht urgewald gemeinsam mit 28 NGO-Partnern eine neue Studie, welche die Rolle tausender institutioneller Investoren bei fossilen Aktivitäten transparent macht. Die Investing-in-Climate-Chaos-Website offenbart, welche Vermögensverwalter, Pensionsfonds, Staatsfonds, Versicherungsgesellschaften, Stiftungen und Hedgefonds weiterhin in Kohle-, Öl- und Gasunternehmen investiert sind, die die Klimakrise vorantreiben.

Investing in Climate Chaos zeigt, dass globale institutionelle Investoren derzeit Aktien und Anleihen von Unternehmen aus fossilen Industrien im Wert von über 6,5 Billionen US-Dollar halten.[1] Eine Sonderauswertung zu den Investoren in Deutschland, Österreich und der Schweiz findet sich weiter unten in dieser Pressemitteilung.

„Dies ist die umfassendste öffentlich zugängliche Analyse zu den institutionellen Investitionen in Unternehmen mit fossilen Aktivitäten. Sie ist ein zentrales Instrument, da sie es Rentenversicherten, NGOs, Regulierungsbehörden, Journalist*innen und Kund*innen von institutionellen Investoren ermöglicht, sie zur Rechenschaft zu ziehen“, sagt Mark Campanale, Geschäftsführer der Carbon Tracker Initiative und Mitglied des Beirats der Glasgow Financial Alliance for Net Zero (GFANZ).

Heffa Schücking, urgewald-Geschäftsführerin, sagt: „Im Mai dieses Jahres wurden Südasien und Westeuropa von tödlichen Hitzewellen heimgesucht. Gleichzeitig halten institutionelle Investoren weltweit Anteile an fossilen Unternehmen mit einem Marktwert, der dem jährlichen BIP von Frankreich und Großbritannien entspricht.“

Mehr als 95 Prozent dieser Investitionen fließen in Unternehmen, die fossile Aktivitäten ausweiten, zum Beispiel solche, die neue Öl- und Gasquellen erschließen oder den Bau neuer fossiler Infrastruktur vorantreiben, darunter Pipelines, LNG-Terminals oder Kohle- und Gaskraftwerke. „Unternehmen, die ihre fossilen Aktivitäten ausweiten, während der Planet brennt, sind die schlechteste Investition, die man sich vorstellen kann“sagt Schücking.

Investing in Climate Chaos erfasst die Aktien- und Anleihebestände von mehr als 8.400 institutionellen Investoren in Unternehmen, die in den anerkannten urgewald-Datenbanken zu fossilen Industrien aufgelistet sind: der Global Coal Exit List (GCEL) [2], der Metallurgical Coal Exit List (MCEL) [3] und der Global Oil & Gas Exit List (GOGEL) [4]. Hunderte Finanzinstitute weltweit nutzen diese Datenbanken. Dank ihrer umfassenden Kennzahlen zu den Expansions- sowie den Dekarbonisierungsplänen fossiler Unternehmen können Investoren erkennen, welche Unternehmen ihre fossilen Aktivitäten verstärken und welche diese zurückfahren.

Zugang zu sämtlichen Ergebnissen und dem Analyse-Tool: https://investinginclimatechaos.org

Größte Klimasünder unter den Investoren

Die 21 größten institutionellen Investoren halten 50 Prozent des Volumens der analysierten Aktien und Anleihen fossiler Unternehmen (vgl. Tabelle 1 im Anhang). Die drei größten von ihnen, die US-amerikanischen Vermögensverwalter Vanguard (659,5 Mrd. USD) und BlackRock (553,3 Mrd. USD) sowie der saudische Public Investment Fund (283,7 Mrd. USD), machen fast ein Viertel (23 %) der weltweiten institutionellen Investitionen in fossile Brennstoffe aus.

Abgesehen von Saudi-Arabiens Public Investment Fund, dem norwegischen Government Pension Fund Global (Platz 9 mit 91,3 Mrd. USD), der Schweizer UBS (Platz 14 mit 71,7 Mrd. USD), der Royal Bank of Canada (Platz 17 mit 67,2 Mrd. USD) und dem Government Pension Investment Fund of Japan (Platz 19, 63,8 Mrd. USD) belegen ausschließlich US-amerikanische Vermögensverwalter die übrigen negativen Spitzenplätze (vgl. Tabelle 1 im Anhang).

Europäische institutionelle Anleger halten 13 Prozent der ermittelten fossilen Aktien und Anleihen. Norwegens Government Pension Fund Global (GPFG) ist Europas größter Investor in fossile Brennstoffe. Dina Rui vom Nordic Center for Sustainable Finance kommentiert: „Wer ExxonMobils größter europäischer Investor ist, kann nicht behaupten, eine Vorreiterrolle beim Klimaschutz zu spielen. Was den Klimawandel angeht, ist der GPFG Europas unverantwortlichster Investor.“ 

Auf den nächsten Plätzen in der europäischen Rangliste folgen die Schweizer UBS, Crédit Agricole mit seinem Vermögensverwalter Amundi aus Frankreich (56,3 Mrd. USD), die Deutsche Bank mit ihrem Vermögensverwalter DWS (43,8 Mrd. USD) und Legal & General aus Großbritannien (38,0 Mrd. USD). 

Anleihelaufzeiten bis ins 22. Jahrhundert 

Unternehmen aus fossilen Industrien beschaffen einen Großteil ihrer Finanzierung durch die Emission von Anleihen. Ihre Hauptabnehmer sind institutionelle Investoren wie Investmentfonds, Pensionsfonds, Versicherer und Hedgefonds. Die urgewald-Studie identifiziert institutionelle Investitionen in Höhe von 64 Milliarden US-Dollar in Anleihen fossiler Unternehmen, die erst nach dem Jahr 2050 fällig werden, also von ihren Emittenten zurückgezahlt werden müssen. Mehr als 240 Investoren, darunter große Akteure wie TIAA, der Government Pension Investment Fund of JapanBlackRockToronto-Dominion und JPMorgan Asset Management, halten fossile Anleihen mit Laufzeiten bis 2080 und darüber hinaus.

Eines der Unternehmen, das Anleihen mit Fälligkeitsterminen zwischen 2080 und 2084 herausgegeben hat, ist das kanadische Unternehmen Enbridge, das rund 30 Prozent des in Nordamerika geförderten Öls transportiert. Die Teersand-Pipelines „Line 3“ und „Line 5“ von Enbridge im US-Bundesstaat Minnesota sind eine tickende Zeitbombe [5] und verletzen die Landrechte der indigenen Bevölkerung. Das Unternehmen verfolgt auch weitere Projekte mit katastrophalen Auswirkungen wie das Woodfibre-LNG-Terminal, welches das empfindliche Meeresökosystem des Howe Sound in British Columbia gefährdet. Mit seiner Behauptung, dies sei „die weltweit erste Netto-Null-LNG-Exportanlage“, lehnt sich Enbridge weit aus dem Fenster. [6] Zu den größten Investoren in Enbridge-Anleihen zählen Manulife Financial aus Kanada und TIAA aus den USA.

Die fossile Anleihe mit der längsten Laufzeit wurde von Brasiliens staatlichem Ölkonzern Petrobras herausgegeben und läuft bis ins Jahr 2115. „Petrobras plant, seine Ölförderung über das Jahr 2050 hinaus auszuweiten, was auf Kosten von Brasiliens empfindlichsten Ökosystemen und Gemeinden geht. Vergangenen Herbst hat das Unternehmen mit Bohrungen vor der Amazonas-Küste begonnen und es kündigte kürzlich an, seine Bohrarbeiten im Amazonas-Regenwald wieder aufzunehmen. In Petrobras-Anleihen zu investieren bedeutet, eine Ausweitung der Ölförderung bis in ferne Zukunft zu unterstützen, was unvereinbar ist mit den Klimazielen der globalen Gemeinschaft“sagt Alisson Capelli De Souza, Umwelt-Campaigner beim Arayara International Institute in Brasilien. 

Zu Petrobras‘ langfristigen Anleihegläubigern gehören Franklin Resources (USA), Manulife Financial (Kanada), die Royal London Group (Großbritannien), BlackRock (USA), die OTP Bank Group (Ungarn) und die UBS (Schweiz).

Auswertung zu Investoren in der DACH-Region

  1. Deutschland

Die größten fossilen Investoren in Deutschland sind die Deutsche Bank mit ihrer Vermögensverwaltungstochter DWS (43,8 Mrd. USD), gefolgt von Allianz (Allianz SE sowie Tochtergesellschaften AGI und PIMCO) mit 34,8 Milliarden US-Dollar, der genossenschaftlichen DZ Bank mit ihrer Tochter Union Investment (13,6 Mrd. USD) und der Deka Group (10,2 Mrd. USD). Allein diese Top 4 machen knapp 90 Prozent sämtlicher fossilen Investitionen deutscher Vermögensverwalter aus. 

Bei allen vier Vermögensverwaltern sind Investitionen in Siemens bzw. Siemens Energy besonders beliebt – mindestens eines von beiden Unternehmen findet sich bei allen vier unter den größten fünf Positionen ihres fossilen Portfolios. Sowohl bei DWS als auch bei Deka ist die Siemens AG das größte fossile Investment mit 3,5 bzw. 1,6 Milliarden US-Dollar, in beiden Fällen gefolgt von Siemens Energy mit 3,3 bzw. 1,4 Milliarden US-Dollar. 

Die Allianz investiert am stärksten in den US-LNG-Konzern Venture Global (6 Mrd. USD; vorw. PIMCO) sowie die Öl- und Gaskonzerne ORLEN aus Polen (2 Mrd. USD) und PEMEX aus Mexiko (2 Mrd. USD) – hier folgt die Siemens AG auf Rang vier (1,3 Mrd. USD). Bei der DZ Bank ist Shell die größte Position mit 2 Milliarden US-Dollar, gefolgt von Siemens Energy (1,7 Mrd. USD), TotalEnergies (1,1 Mrd. USD) und der Siemens AG (1,1 Mrd. USD).

Insgesamt haben alle vier großen deutschen Vermögensverwalter 2,5 Milliarden US-Dollar in Anleihen mit besonders langen Laufzeiten investiert, welche frühestens in der zweiten Jahrhunderthälfte, ab 2051, fällig werden; die späteste Fälligkeit solcher Anleihen liegt im Jahr 2115. Den Löwenanteil davon trägt PIMCO, die US-Investment-Tochter der Allianz, mit 2,1 Milliarden US-Dollar. Dabei setzt PIMCO besonders stark auf Berkshire Hathaway Energy Co, den mexikanischen Öl- und Gaskonzern PEMEX, die französische EDF, das Öl- und Gas-Infrastrukturunternehmen ONEOK sowie Saudi Aramco

Julia Dubslaff, Finanz-Analystin bei urgewald, kommentiert: „Das Vertrauen der Investoren in die fossile Industrie scheint ungebrochen zu sein, wenn sie Anleihen mit solch unvorstellbar langen Laufzeiten in ihre Bücher nehmen. Solche Investitionen untergraben nicht nur den Glauben an die Vermögensverwalter als Gestalter wirtschaftlicher Transformation, sondern bergen für ihre Kund*innen auch finanzielle Risiken.“

Auffällig ist ebenfalls, wie stark die Allianz in einzelne Unternehmen aus fossilen Sektoren investiert ist. So ist sie beispielsweise weltweit einer der größten institutionellen Investoren des polnischen Öl- und Gaskonzerns ORLEN. Bei der Allianz-Tochter PIMCO ist der US-Konzern Venture Global, der sein hochumstrittenes LNG-Exportgeschäft derzeit skrupellos und drastisch ausweitet, mit einem Volumen von sechs Milliarden US-Dollar mit weitem Abstand die größte fossile Investition. 

Ein Muster zeigt sich bei den regelmäßigen Investitionen aller vier großen deutschen Vermögensverwalter in neu ausgegebene Anleihen von TotalEnergiesDie DWS, Union Investment und Deka investierten allesamt in sechs Anleihen, die Total frisch im Jahr 2025 emittierte – mit Laufzeiten zwischen 2031 und 2045. Bei der Allianz finden sich vier dieser neuen Anleihen. Ende Mai zeigte eine exklusive urgewald-Auswertung, dass der EU-weit größte Öl- und Gaskonzern TotalEnergies im Vergleich mit seinen direkten Wettbewerbern am häufigsten in autokratisch regierten Staaten, „Hybridregimen“ sowie in Ländern mit hohen politischen und wirtschaftlichen Risiken expandiert. [7]

Dubslaff sagt: „TotalEnergies hat sich von seinem am 1,5°-Limit ausgerichteten Netto-Null-Ziel für 2050 verabschiedet und verfolgt fossile Expansionsprojekte mit enormen menschenrechtlichen Risiken, darunter ‚Mozambique LNG‘. Die Finanzindustrie muss aufhören, den Öl- und Gas-Multi mit Investitionen in neu emittierte Anleihen zu unterstützen, und Verantwortung für Menschenrechte, Umwelt und Klima übernehmen.“ 

  1. Österreich

Die größten fossilen Investoren in Österreich sind die Erste Group (1,7 Mrd. USD), die Raiffeisen Banking Group (1,5 Mrd. USD) und die Vienna Insurance Group (VIG; 1,1 Mrd. USD). Allein diese drei Finanzinstitute stehen somit hinter 85 Prozent sämtlicher fossilen Investitionen mit Ursprung in Österreich (5 Mrd. USD). 

Besonders auffällig sind die Investitionen der VIG92 Prozent ihrer fossilen Investitionen gehen in Unternehmen, die im Kohlesektor aktiv sind. Polnische Unternehmen belegen sämtliche fossilen Spitzenplätze, der Ölkonzern ORLEN (659 Mio. USD) sowie die Kohle-Unternehmen PGE (105 Mio. USD), TAURON (93 Mio. USD) und Enea (50 Mio. USD), gefolgt von dem ungarischen Öl- und Gasunternehmen MOL (31 Mio. USD).

In ihrer Sustainable Investment Policy” von Mai 2024 schreibt die VIG über ihre Kohle-Investitionen (siehe auch konkrete Kriterien und Schwellenwerte): „Existing investments will be reduced by more than 50% until the end of 2025 compared to the base year of 2019 and will be eliminated completely until the end of 2035 at the latest .” [8] Fakt ist allerdings: Selbst wenn sie die heute bestehenden Kohleinvestitionen halbieren würde, hielte sie noch deutlich mehr Beteiligungen in der Kohleindustrie als jeweils die Erste Group und Raiffeisen.

Klara Butz, Finanz-Campaignerin bei urgewald, kommentiert: „Dass ausgerechnet ein Versicherungsunternehmen so stark in den Kohlesektor investiert, lässt aufhorchen. Gerade Versicherer spüren die Klimakrise deutlich, weil sie dadurch vermehrt für Schäden in Verbindung mit Wetterextremen zahlen müssen. Kohleinvestitionen schaden dem eigenen Geschäft massiv. Die VIG hat beim klimagerechten Investieren noch einen weiten Weg vor sich.  Bei Erste Group und Raiffeisen offenbaren die Zahlen, dass sie endlich Klarheit schaffen müssen, wie sie die Abhängigkeit von Öl und Gas hinter sich bringen wollen.“

Die Erste Group ist in Österreich mit Abstand am stärksten in fossile Anleihen mit besonders langen Laufzeiten bis 2051 oder länger investiert: auf Holding-Ebene mit 27,9 Millionen US-Dollar

Zusammenfassend sagt Butz: „Österreich hat sich 2040 als Netto-Null-Ziel gesetzt, doch Erste, Raiffeisen und VIG machen da offenbar nicht mit. Wer jetzt in fossile Expansion investiert, wettet gegen die Klimaziele. Auch die im europäischen Vergleich verhältnismäßig kleinen Investitionssummen haben eine gewaltige Hebelwirkung für die Emissionen von morgen. Hier können Investoren mit kleinen Umschichtungen viel für eine klimagerechte Zukunft bewirken.“  

Mario Taschwer von Attac Österreich ergänzt mit Blick auf die Verantwortung von Politik und Aufsichtsbehörden: „Trotz des Pariser Klimaabkommens gibt es noch immer keine Regulierung, die fossile Investitionen einschränkt. Kohle, Öl und Gas sind weiterhin profitabel und solange es kein Verbot gibt, werden Finanzakteur*innen auch künftig in die fossile Vergangenheit investieren und so die Klimakrise weiter befeuern.“

  1. Schweiz

Die größten fossilen Investoren in der Schweiz sind die UBS (71,7 Mrd. USD), Pictet (15,2 Mrd. USD) und die Schweizer Nationalbank (9,3 Mrd. USD).

Die größten Beteiligungen der UBS sind ExxonMobil (5,1 Mrd. USD), Shell (3,6 Mrd. USD) und Chevron (3,5 Mrd. USD). Bei Pictet sind dies die britische SSE plc (3,1 Mrd. USD), Siemens (685 Mio. USD) und RWE (677 Mio. USD). Die Schweizer Nationalbank hat als größte fossile Posten die US-Konzerne ExxonMobil (1,8 Mrd. USD), GE Vernova (652 Mio. USD) und ConocoPhillips (388 Mio. USD). 

Ein etwas anderes Bild zeigt sich beim Blick auf die Anlagen von Schweizer Investoren in besonders langlaufende Anleihen fossiler Unternehmen. Sämtliche in der Schweiz analysierte Investoren haben 1,2 Milliarden US-Dollar in fossile Anleihen mit Laufzeiten bis mindestens 2051 investiert. Auch hier belegt die UBS mit Abstand den negativen Spitzenplatz: Sie hält solche Anleihen mit einem Gesamtwert von 467 Millionen US-Dollar. In diesem Fall folgen darauf jedoch die Zürcher Kantonalbank (171 Mio. USD) und Vontobel (121 Mio. USD). 

Asti Roesle von der Klima Allianz Schweiz kommentiert: „Während die Schweiz ein gesetzlich verankertes Klimaziel von Netto-Null Treibhausgasemissionen bis 2050 hat, scheinen grosse Schweizer Investoren, insbesondere die UBS, weiter auf eine fossile Zukunft zu wetten. Bei der UBS fallen ausserdem die krassen Widersprüche zwischen ihrem Banken- und ihrem Anlagegeschäft auf. Kürzlich veröffentlichte Daten zeigen [9], wie stark die UBS ihre Finanzierung für fossile Konzerne in den vergangenen Jahren zurückgeschraubt hat. Sie verkennt, dass auch Investitionen, insbesondere in Anleihen fossiler Konzerne, solche zerstörerischen Geschäfte am Leben halten.“

Es gibt einen besseren Weg 

Im Juni 2026 sprach der Schweizer Verein für verantwortungsbewusste Kapitalanlagen (SVVK-ASIR), in dem zwölf große Schweizer Pensionskassen und Versicherer mit einem verwalteten Gesamtvermögen von über 350 Milliarden US-Dollar zusammengeschlossen sind, eine Empfehlung an seine Mitglieder aus: Diese sollten den Erwerb von Anleihen der Unternehmen ExxonMobil, Chevron, Marathon Petroleum, Saudi Aramco, PBF Energy, Philips 66 und Valero Energy Corporation einstellen. [10] Dies ist das erste Mal, dass der SVVK-ASIR eine solche Empfehlung ausgesprochen hat. 

Andere institutionelle Anleger sind noch weiter gegangen. Nordea Asset Management beteiligt sich nicht länger an Anleiheemissionen von Unternehmen, die ihre Öl- und Gasförderung ausweiten. [11] Europas drittgrößter Vermögensverwalter BNP Paribas Asset Management tätigt keine Investitionen in neue Anleihen von Unternehmen, die nach neuen Öl- und Gasquellen suchen bzw. Öl und Gas fördern. [12] Frankreichs viertgrößter Vermögensverwalter Ofi Invest schließt den Kauf von Unternehmensanleihen aus, wenn Firmen an der Förderung unkonventioneller fossiler Brennstoffe, an fossilen Expansions- oder Explorationsprojekten sowie an LNG-Exporten beteiligt sind. [13]

Der französische Rückversicherer SCOR, eines der führenden Unternehmen seiner Branche, investiert nicht länger in Aktien und Anleihen von Öl- und Gasunternehmen mit Expansionsplänen im Upstream-Bereich. [14] PFZW aus den Niederlanden – unter den weltweit größten Pensionsfonds auf Rang 14 – hat im Jahr 2024 Investitionen in 310 globale Öl- und Gasproduzenten veräußert, darunter Shell, BP und TotalEnergies. Nur sieben Öl- und Gasförderer verbleiben im PFZW-Portfolio. Joanne Kellerman, Vorstandsvorsitzende von PFZW, erklärte dazu: „Der intensive Dialog mit dem Öl- und Gassektor zu Klimathemen in den vergangenen zwei Jahren hat uns klargemacht, dass die meisten fossilen Unternehmen nicht bereit sind, ihre Geschäftsmodelle an das Pariser Abkommen anzupassen.“ [15] Im Jahr 2025 stellte PFZW zudem Investitionen in von BlackRock verwaltete Aktienfonds ein und begründete dies mit mangelnder Übereinstimmung in Klimafragen. [16]

Zusammenfassend sagt Schücking: „Während einige Institutionen bedeutende Fortschritte erreicht haben, zeigt unsere Studie, dass die meisten institutionellen Investoren sowohl unseren Klimazielen als auch ihrer langfristigen treuhänderischen Pflicht nicht gerecht werden. Investitionen in die alte Energiewelt machen in der Regel weniger als 5 Prozent des Portfolios eines Investors aus, aber sie schüren eine Krise, die 95 Prozent der Investitionen gefährdet. In einer Welt im Klimakollaps gibt es keine sicheren Renten, keine sicheren Ersparnisse und keine sicheren Renditen.“

Link zu unserer Methodik: https://investinginclimatechaos.org/methodology

___________________

ANHANG

Tabelle 1: Die 21 größten institutionellen Investoren in Unternehmen aus fossilen Industrien. Die 21 größten Investoren halten 50 Prozent des Volumens der in dieser Studie analysierten Aktien und Anleihen von Unternehmen aus fossilen Industrien. Die Werte sind in Millionen US-Dollar angegeben und auf die jeweils nächste Million gerundet.

RangName des InvestorsLand des HauptsitzesGesamt-investitionen
1VanguardUSA659.451
2BlackRockUSA553.299
3Public Investment FundSaudi-Arabien283.676
4State StreetUSA257.273
5Capital GroupUSA197.275
6Fidelity InvestmentsUSA149.274
7Geode Capital HoldingsUSA131.661
8JPMorgan ChaseUSA105.696
9Government Pension Fund Global (GPFG)Norwegen91.293
10Morgan StanleyUSA85.134
11Berkshire HathawayUSA83.255
12Franklin ResourcesUSA75.524
13T. Rowe PriceUSA74.057
14UBSSchweiz71.651
15InvescoUSA69.930
16Dimensional Fund AdvisorsUSA67.630
17Royal Bank of CanadaKanada67.175
18Wellington ManagementUSA63.957
19Government Pension Investment Fund (GPIF)Japan63.826
20Charles SchwabUSA62.568
21Bank of AmericaUSA60.326

Tabelle 2: Die zehn wichtigsten Investorenländer. Auf institutionelle Investoren aus diesen zehn Ländern entfallen 90 Prozent der in dieser Studie analysierten Investitionen. Die Werte sind in Millionen US-Dollar angegeben und auf die jeweils nächste Million gerundet.

RangLand des Hauptsitzes Gesamtinvestitionen
1USA4.030.916
2Kanada377.140
3Japan310.436
4Saudi-Arabien291.544
5Vereinigtes Königreich198.811
6Indien148.677
7Frankreich131.883
8Schweiz126.885
9Deutschland114.196
10China113.722

___________________

  1. Die Rohdaten für die Untersuchung wurden von Profundo zusammengestellt (https://profundo.nl/). Die Daten basieren auf den aktuellsten Informationen, die zum Zeitpunkt der Recherche im Februar und März 2026 verfügbar waren. Es wurden Investitionen, die zu Stichtagen zwischen Oktober 2024 und März 2026 berichtet wurden, einbezogen.

  2.  Vienna Insurance Group, Responsible Investment (2024), S. 2: https://group.vig/media/noblcmxl/vig_responsible-investments_en.pdf

  3.  SCOR-Nachhaltigkeitsrichtlinie, Mai 2025