Kohlebanken-Recherche: Ergebnisse für Banken in der EU und der DACH-Region

Medienbriefing

Berlin, 12.10.2026

Eine neue Finanzrecherche von urgewald zeigt die Kohlefinanzierung von 744 Geschäftsbanken weltweit. Erfasst wurden Kredite sowie Aktien- und Anleihe-Emissionsgeschäfte [1] dieser Banken im Kraftwerkskohle-Sektor. Im erfassten Zeitraum von 2022 bis 2025 finanzierten sie die Kohleindustrie mit insgesamt 467 Milliarden US-Dollar. 

Sämtliche internationalen Ergebnisse (Englisch): 
https://www.urgewald.org/en/media/still-banking-on-coal-2026 

Wie die Daten offenbaren, ist das Geschäft der Kohlefinanzierung stark konzentriert: Chinesische Banken haben einen Anteil von 62 Prozent (289 Mrd. USD von 2022 bis 2025), US-Banken von 14 Prozent (67 Mrd. USD) und japanische Banken von 6 Prozent (28 Mrd. USD) an der gesamten Bankenfinanzierung für Kohle.

Heffa Schücking, urgewald-Geschäftsführerin, sagt: 
„Die Kohlefinanzierung konzentriert sich zunehmend auf Banken und Märkte, in denen es entweder keine oder nur schwache Richtlinien zum Umgang mit Kohle gibt.“

Banken mit Hauptsitz in der EU haben ihre Kohlefinanzierungen im Untersuchungszeitraum um 46 Prozent gekürzt, von 4,8 Milliarden US-Dollar im Jahr 2022 auf 2,6 Milliarden US-Dollar im Jahr 2025. Fast alle EU-Banken, die im Jahr 2022 ein nennenswertes Engagement im Kohlesektor hatten, reduzierten ihre Unterstützung für die Branche in den Folgejahren. Da viele europäische Banken weltweit als Finanzierer des Sektors tätig sind, hat dieser Rückgang reale Konsequenzen über die Region hinaus.

Schücking sagt: 
„Infolge der Einführung von Kohlerichtlinien durch die meisten EU-Banken hat sich die Finanzierung des Sektors fast halbiert. Um diese Entwicklung zu beschleunigen, müssen Nachzügler in der EU wie die Deutsche Bank und Santander, die ihr hohes Finanzierungsniveau beibehalten haben, zu ihren Mitbewerbern aufschließen.“

Deutsche Bank: Globale Kohlefinanzierung auf hohem Niveau

Die erfassten deutschen Geschäftsbanken haben im Untersuchungszeitraum 2022 bis 2025 insgesamt 5 Milliarden US-Dollar an Unternehmen im Kohlesektor vergeben. Damit liegen sie auf Platz 8 der größten Kohlefinanzierer weltweit und auf Platz 2 in Europa, nach Banken in Großbritannien. 

Der mit Abstand größte deutsche Geldgeber für die Kohleindustrie ist die Deutsche Bank mit 2,3 Milliarden US-Dollar in den untersuchten vier Jahren. Sie stellt allein 47 Prozent der deutschen Kohlefinanzierung zur Verfügung und ermöglichte dem Kohlesektor allein im Jahr 2025 ein Finanzierungsvolumen von 425 Millionen US-Dollar. 

Auf sie folgt die Commerzbank mit insgesamt 1 Milliarde US-Dollar (178 Mio. USD in 2025). Es folgen mit deutlichem Abstand die Landesbank Baden-Württemberg mit 467 Millionen US-Dollar, die DZ Bank mit 433 Millionen US-Dollar und die Landesbank Hessen-Thüringen mit 343 Millionen US-Dollar. 

Während sich bei sämtlichen Landesbanken ein starker Rückgang des Kohlefinanzierungsniveaus im Vergleich zwischen 2022 und 2025 zeigt, bleibt bei Deutsche Bank, Commerzbank und DZ Bank – teilweise mit Ausschlägen zwischen 2023 und 2024 – die Kohlefinanzierung insgesamt auf gleichem Niveau. 

Die Rolle der Deutschen Bank in der internationalen Kohlefinanzierung zeigt sich deutlich am Beispiel China: Sie ist die einzige deutsche Bank, die chinesische Kohlefirmen finanziert, und zugleich der größte europäische Geldgeber der Kohleindustrie in China. Unter anderem war sie im Jahr 2025 maßgeblich an Anleiheemissionen der chinesischen KohlefirmenShanxi Xinzhou Shenda Energy Group und einer Tochter der Huayang New Material Technology Group beteiligt. Beide Firmen betreiben Kohlebergbau. 

Shanxi Xinzhou Shenda Energy Group hat laut urgewald-Recherchen aktuell einen Kohle-Umsatzanteil von rund 50 Prozent. Die Huayang New Material Technology Group-Tochter expandiert im chinesischen Kohleminensektor und erwirtschaftet 91 Prozent ihres Umsatzes mit Kohle. Dies ist nur schwer mit den internen Richtlinien der Deutschen Bank in Einklang zu bringen. Diese sehen vor, dass Unternehmen, die mehr als 30 Prozent ihres Umsatzes mit Kohle generieren, glaubwürdige Diversifizierungspläne aufweisen müssen, um finanzierbar zu bleiben. 

Auch die regelmäßige Finanzierung des Schweizer Rohstoffkonzerns Glencore durch die Deutsche Bank – zuletzt im Jahr 2025 – steht im Widerspruch zu den konzerneigenen Richtlinien: Glencore betreibt über sein Tochterunternehmen Elk Valley Resources in Kanada das extrem zerstörerische Kohlebergbauverfahren Mountaintop Removal [2] Die Deutsche Bank hat in ihrer Nachhaltigkeitsrichtlinie jegliche „Finanzierungen oder Beratungsleistungen“ für Unternehmen, die Mountaintop Removal betreiben, ausgeschlossen. [3]

Während die Deutsche Bank weltweit in die Kohlefinanzierung involviert ist, konzentriert sich die Commerzbank mit wenigen Ausnahmen auf Kohleunternehmen aus Europa. Die DZ Bank und die Landesbanken sind insbesondere bei den deutschen Energiekonzernen EnBW und RWE involviert. 

Philipp Noack, Finanz-Campaigner bei urgewald, sagt: 
„Die Deutsche Bank scheint sich in der Rolle des Möglichmachers der globalen Kohleindustrie zu gefallen. Dafür nimmt sie auch massive Reputationsrisiken in Kauf. Während andere europäische Wettbewerber ihre Regeln für die Kohlefinanzierung verschärfen und vergebene Gelder deutlich zurückgefahren haben, kann Deutschlands größte Privatbank nicht von dieser schmutzigen Industrie lassen. Vor kurzem hat sie ihre bereits schwache Kohlerichtlinie sogar weiter abgeschwächt. [4] Ein solch achtloser Umgang mit unserer Zukunft ist Deutschlands führender Geschäftsbank unwürdig.“

UBS: Kohlefinanzierung um 92 Prozent reduziert

In der Schweiz wird fast die komplette Kohlefinanzierung durch die Großbank UBS zur Verfügung gestellt. Mit 1,4 Milliarden US-Dollar für Kohleunternehmen im Zeitraum 2022 bis 2025 liegt sie unter den europäischen Banken zwar auf Rang 4 der größten Kohlefinanzierer, dies jedoch mit stark abnehmender Tendenz. Sie hat ihr Finanzierungsvolumen zwischen 2022 und 2025 deutlich und stetig reduziert, von 675 Millionen US-Dollar in 2022 auf knapp 56 Millionen US-Dollar in 2025 – ein Rückgang um 92 Prozent. 

Noack sagt: 
„Die stark gesunkenen Finanzierungen der UBS im Kohlesektor zeigen, wie viel Vertrauen diese schmutzige Industrie insbesondere auf den europäischen Finanzmärkten verloren hat. Dies sollte zum Maßstab auch für Banken wie die Deutsche Bank werden.“

Erste und Raiffeisen: Nur noch wenig Appetit auf Kohle

Ein ähnliches Bild zeigt sich beim Blick nach Österreich. Die dort traditionell wichtigsten Kohlefinanzierer Erste Group und Raiffeisen Banking Group haben ihre Gelder für den Sektor deutlich reduziert: 

  • Raiffeisen senkte ihre Kohlefinanzierung deutlich und stetig von 103 Millionen US-Dollar im Jahr 2022 auf 24 Millionen US-Dollar in 2025 – ein Rückgang um 77 Prozent.
  • Vergab die Erste Group im Jahr 2022 noch 156 Millionen US-Dollar in der Kohleindustrie, lagen die Summen in den beiden Folgejahren deutlich darunter. Im Jahr 2025 vergab sie nurmehr 1,4 Millionen US-Dollar für Kohle – ein Rückgang um 99 Prozent seit 2022.

Erstaunlich ist in diesem Zusammenhang, dass die Erste Group, während andere europäische Banken ihre Klimarichtlinien konsequent weiterentwickeln, zuletzt in die entgegengesetzte ging: Im vergangenen Geschäftsjahr schwächte sie ihre internen Vorgaben für Finanzierungen in den Bereichen Kohle, Öl und Gas deutlich ab. Unter anderem wurde der Kohleausstieg der Bank um fünf Jahre nach hinten verschoben, von 2030 auf 2035. Bestandskunden müssen zwar weiterhin Kohleausstiegspläne vorweisen, allerdings sind inzwischen Ausnahmen möglich. [5] Was dies für ihre künftige Kohlefinanzierung bedeutet, muss sich noch zeigen.

Noack kommentiert: 
„Die globalen Daten zeigen, dass die Kohlefinanzierung insbesondere dort sinkt, wo Banken wirksame Richtlinien eingeführt haben. Die Erste Group muss aufpassen, dass sie durch die abgeschwächten Regeln nicht zur Erfüllungsgehilfin einer Industrie wird, deren Ende nur noch eine Frage der Zeit ist.“

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  1.  Auch „Underwriting“ genannt: Absicherung von Aktien- und Anleiheemissionen durch Banken.